Berlin : So deutsch

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über Container

und wie man sie hinstellt

Diese Geschichte werden sie auch in New York mögen: Sie ist so... deutsch. Denn während Berlin aus Sicht der Polizei und ihrer Berufsverbände im Sumpf der Kriminalität versinkt, finden gleich mehrere Polizeibeamte die Zeit, kritisch um den Kassencontainer herumzuschreiten, den die Nationalgalerie auf dem Gehweg errichtet. Er ist schön pink gestrichen und gut geheizt, beschneidet aber die Grundrechte der Radfahrer, ja, es ist davon auszugehen, dass er ganz ohne die erforderlichen Genehmigungen errichtet wurde. Ach: Es ist schön, in einer Stadt zu leben, die selbst im tiefsten Tal der Tränen noch Energie und Leute genug hat, solche Dinge entschlossen zu regeln.

Ja, ja, schon gut. Hier ist die andere Seite: Hätte man auf Seiten der Veranstalter eventuell schon einige Monate vorher auf den Gedanken kommen können, dass nicht jeder einen Kassencontainer einfach irgendwo hinschmeißen darf? Wäre es nicht denkbar gewesen, vorher zu fragen und den Container eventuell nach oben auf den Museumsvorplatz zu hieven, ergänzt um eine hübsche, komfortabel geringelte Warteschlange? Ein bisschen selbstherrlich sieht das Vorgehen der Museumsleute nun schon aus.

Nehmen wir es positiv. Berlin hat einfach zu wenig Erfahrung mit Sachen, die das Warten lohnen. Die MoMA-Ausstellung könnte ein Neubeginn sein.

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