Berlin : So funktionieren Herzschrittmacher

Björn Rosen

Wie funktioniert ein Hörgerät? Und wie eine Dialysemaschine? Eine neue Serie löst die Medikamentenkolumne ab, die Sie über zwei Jahre lang jede Woche an dieser Stelle gefunden haben. Nun wollen wir Ihnen erklären, wie Medizintechnik funktioniert. Heute: alles über Herzschrittmacher.

Herzschrittmacher geben dem wichtigsten Organ das richtige Tempo vor. Denn das Herz bewegt sich; es besteht aus Muskeln, die sich rhythmisch zusammenziehen und entspannen und so Blut durch den Körper pumpen. Bei älteren Menschen ist die elektrische Erregung, die die Bewegung auslöst, manchmal gestört: Meist findet sie zu selten statt, das Herz schlägt zu langsam – die Organe bekommen nicht genug Sauerstoff.

Ein Schrittmacher kann die Muskelbewegungen in den richtigen Rhythmus bringen, indem er regelmäßig elektrische Impulse an das Herz schickt. Er besteht meist aus dem Metall Titan, ist etwa so breit wie zwei Daumen nebeneinander und rund sieben Millimeter dick. Schrittmacher werden auf Höhe des Brustbeins unter die Haut eingepflanzt und dann durch Kabel mit dem Herzen verbunden – eine solche Operation dauert nicht länger als 30 Minuten.

„Im Innern des Geräts steckt ein Schaltkreis, der regelt, was für Impulse an das Herz geschickt werden – und wann“, sagt Andres Herrero von der Berliner Firma Biotronik, die Schrittmacher produziert. Den Strom für die elektrischen Signale liefert eine Batterie, die rund zehn Jahre hält. Danach muss ein neuer Schrittmacher her. Dreißig der kleinen Akkus ergäben etwa die Energie einer Autobatterie.

Die dünnen Drähte, die vom Schrittmacher zum Herzen führen, bestehen aus Metall, das mit Silikon ummantelt ist. „Sie werden am Herzen eingehakt oder mit einer winzigen Schraube befestigt“, so Herrero. Wie viele Kabel wo genau angebracht werden, hängt von der Erkrankung des Patienten ab. Meist sind es zwei Drähte: diese Variante nennt man „Zweikammer-Schrittmacher“. Durch die Drähte werden schwache Impulse von fünf bis zehn Mikroampere geleitet. Sie stimulieren zuerst nur die Punkte, an denen das Kabel unmittelbar auf das Herz trifft. Über das Erregungsleitungssystem, ein Netz von Zellen, breitet sich der Impuls aber rasend schnell aus – die Muskeln bewegen sich und das Herz schlägt.

Moderne Schrittmacher können aber noch mehr: Sie messen die Herzaktivität und passen ihre Leistung an. Wenn man zum Beispiel joggt und das Herz von alleine schnell schlägt, stellt das Gerät kurzzeitig seine Arbeit ein.

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