So kann’s gehen : Ein Lamento verhindern?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Bei einem Sommerfest kippte mir eine Bekannte nach einer ungeschickten Bewegung ein halbes Glas Weißwein über den Anzug. Sofort fing sie an, sich wortreich und lauthals zu entschuldigen. Das fand ich unnötig peinlich, denn dadurch standen wir plötzlich im Mittelpunkt. Auch ihre wiederholten Angebote, die Reinigung zu bezahlen, fand ich überflüssig, ich bin ja nicht arm. Wie verhält man sich in solchen Situationen?

Dass der Bekannten ihr Ungeschick peinlich war, sollten Sie verstehen. Und es ist auch durchaus korrekt, die Übernahme der Reinigungskosten anzubieten, selbst wenn bekannt ist, dass der Geschädigte mehr Geld hat als der Verursacher des Schadens. Hier geht es nicht um den Kontostand, sondern darum, wer Schuld hat am Missgeschick. Allerdings verstehe ich Ihre Irritation darüber, dass das gleich in so einen Wortschwall ausgeartet ist. Die Bekannte hat halt versucht, für die Beklemmungen, die diese Peinlichkeit ihr selbst verursacht haben, einen Kanal zu finden. So wurden Sie zum zweiten Mal ihr Opfer.

Entschiedenes Beschwichtigen kann helfen. So etwas passiert ja immer wieder auf Festen, je alkoholisierter die Teilnehmer sind, desto leichter. Wenn Sie den Finger auf den Mund legen und eindringlich bitten, kein Aufhebens zu machen, weil so was schließlich passieren kann und bitte auch kein weiteres Wort über die Reinigung zu verlieren und dann sofort das Thema wechseln, könnten Sie Erfolg haben. Klappt das nicht, könnten Sie darum bitten, dieses Thema später am Telefon zu verhandeln, um das Fest nicht zu stören.

Umgekehrt sollten Verursacher solcher Ungeschicklichkeiten ein Lamento vermeiden. Dadurch macht man nichts ungeschehen. Der Ausdruck riesiger Reue ist nicht als Fleckenmittel bekannt. Am besten, man äußert aufrichtig und diskret sein Bedauern, bietet Schadenersatz an und geht ansonsten komplett auf die Wünsche des Geschädigten ein.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen per Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder per Mail (meinefrage@tagesspiegel.de).

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