Berlin : So klingt Berlin im Internet: Eine Seite für die Musikbranche

Sebastian Leber

Dietrich Pflüger kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Als der Bassist der Pop-Band „Carmen“ im vergangenen Jahr eine CD aufnehmen wollte, verlor er schnell den Überblick: „All die Plattenfirmen und Vertriebe und Studios, da findet sich kein normaler Mensch zurecht.“ Viele Adressen aus dem Telefonbuch waren veraltet, andere Anbieter entpuppten sich als Abzocker. Die Branche gleiche einem „wild wuchernden Dschungel“, sagt Pflüger.

Nun soll sich der Dschungel ein Stück weit lichten. Mit zwölf Kommilitonen von der Universität der Künste hat der Kommunikationsstudent die Internetplattform „www.soklingtberlin.de“ online gestellt – ein erster Versuch, die Musikbranche der Stadt zu vernetzen. Seit Sonnabend können Musikinteressierte kostenlos in einer Datenbank stöbern und gezielt nach Musikverlagen, Plattenfirmen oder Booking-Agenturen suchen. Mehr als 1300 kommerzielle wie nichtkommerzielle Anbieter haben ihre Daten zur Verfügung gestellt – darunter Branchengrößen wie Universal, Sony Music und MTV.

Wenn Produzenten künftig nach Tonstudios suchen oder Manager nach Eventagenturen, dann soll „soklingtberlin.de“ vermitteln. Nachwuchskünstler können sich über Stipendien und Wettbewerbe informieren und Schulabgänger darüber, welche Unternehmen der Branche Lehrstellen anbieten. Mit der Plattform werde nun endlich deutlich, was die „viel beschworene Musikhauptstadt Berlin zu bieten hat“, sagt Pflüger.

Großen Anklang findet die Initiative im Roten Rathaus. Wirtschaftssenator Harald Wolf lobt den Einsatz der Studierenden und gibt zu, ein derartiges Projekt habe „bisher noch gefehlt". Auch finanziell soll die Internetplattform unterstützt werden, die landeseigene Initiative „Projekt Zukunft" hat Fördermittel in Aussicht gestellt, damit die Internetseite ständig aktualisiert und erweitert werden kann.

Das Geld können die Betreiber der Seite gut gebrauchen – bis jetzt haben die Studenten ehrenamtlich und auf eigene Kosten gearbeitet. Monatelang wurden Adressen aus der Musikbranche zusammengetragen und tausende Briefe verschickt, um die Unternehmen auf das geplante Projekt aufmerksam zu machen. Am schwierigsten sei das Übertragen der schriftlichen Antworten in den Computer gewesen, sagt Mitinitiatorin Daniela Rilat: „Die meisten Kreativen und Künstlertypen haben eine unmögliche Handschrift, das hat uns zum Verzweifeln gebracht."

In den kommenden Wochen wollen die Studenten erst einmal „noch mehr Klinken putzen“ und ihre Online-Plattform in der Stadt bekannt machen. Schließlich funktioniere ein Netzwerk nur dann, wenn auch „alle potenziellen Netzwerker von unserer Seite wissen“, sagt Rilat.

Die Plattform für Musikinteressierte:

www.soklingtberlin.de

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