Berlin : So wirken Medikamente für HIV-Infizierte

Björn Rosen

Das Beispiel: Trizivir, laut dem Informationsdienstleister „IMS Health“ unter den meistverkauften Aids-Virustatika.

Während die Impfstoffforschung noch wenig Erfolge vorzuweisen hat, gibt es für bereits Erkrankte schon wirksame Medikamente, die Aids aufhalten sollen.

Trizivir ist ein Kombinationspräparat. Eine Tablette enthält drei synthetisch hergestellte Wirkstoffe: Zidovudin, Lamivudin und Abacavir. Nur ein Stoff würde nicht genügen, um das HI-Virus wirkungsvoll zu bekämpfen. Zidovudin war 1986 der erste Wirkstoff gegen HIV überhaupt. Trizivir ist erst seit 2001 auf dem Markt. Die Wirkstoffe haben im Körper die gleiche Wirkung: Sie sind „Nukleosidale Reverse Transkriptase Hemmer" (NRTI). Stark vereinfacht bedeutet das: Die Stoffe greifen zu einem bestimmten Zeitpunkt in die Vermehrung des HI-Virus ein.

Neben den NRTI gibt es drei weitere Typen von HIV-Medikamenten. Meist müssen sogar mehrere parallel eingenommen werden. Trizivir wird oft zu Beginn einer Behandlung verschrieben, weil es relativ schwache Nebenwirkungen hat. Aber nicht jeder HIV-Infizierte muss sofort Tabletten schlucken. Ausschlaggebend ist die Viruslast im Blut und die Anzahl der körpereigenen Helferzellen. Je mehr Viren und je weniger Helferzellen, desto eher sind Tabletten nötig.

Die Wirkstoffe im Trizivir werden über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen. Nun können sie in alle mit dem HI-Virus befallenen Zellen transportiert werden. Viren benutzen die Zellen als Wirt. Sie vermehren sich im Zellkern. Bevor das HI-Virus diesen Schritt gehen kann, muss es seine Erbinformation RNS aber unbedingt umwandeln: in eine DNS – nur so funktioniert eine Vermehrung im Kern. Die Umwandlung bezeichnet man als „Reverse Transkription“. Für den Aufbau eines DNS-Strangs braucht das Virus bestimmte Bausteine aus der Zelle, die wie auf einer Kette aneinander gereiht werden. Zidovudin, Lamivudin und Abacavir gleichen einigen dieser DNS-Bausteine. Deshalb können sie sich mit einem Ende an die entstehende DNS-Kette des Virus anhängen. Auf ihr anderes Ende aber passt keiner der folgende Bausteine mehr. Ergebnis: Die DNS ist nur halbfertig, die Vermehrung des Virus gestoppt.

Allerdings hat man bis heute keinen Wirkstoff gefunden, der die Vermehrung dauerhaft stoppt. Hauptproblem: Das Virus ist anpassungsfähig, mutiert häufig. Früher oder später tauchen Mutanten auf, die gegen das Medikament resistent sind. Sie können zum Beispiel einen der Wirkstoffe des Trizivir aus der DNS-Kette wieder ausbauen – und sich ungehindert weiter vermehren. Dann müssen Patienten das Medikament wechseln.

Beispiele für andere Medikamente: 60 Tabletten Trizivir für 1031,11 Euro. 90 Tabletten Sustiva (200 mg) für 409,67 Euro.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar