Berlin : So wirken Mittel gegen Schizophrenie

Björn Rosen

Das Beispiel: Fluanxol, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art

Fluanxol wirkt im Zentralnervensystem, also im Gehirn. In diesem komplizierten Netzwerk verarbeitet der Körper Informationen, erzeugt Stimmungen wie Angst oder Freude. Damit dort Signale von einer Nervenzelle zur anderen weitergeleitet werden können, braucht es Überträgerstoffe – die Neurotransmitter. Einer dieser Stoffe ist Dopamin. Wissenschaftler vermuten, dass Schizophrene davon übermäßig viel produzieren, ihre Gefühle und ihr Denken deshalb durcheinander geraten. Diese Störung im Hirnstoffwechsel wird wahrscheinlich vererbt und durch Umweltfaktoren beeinflusst, kann aber durch Medikamente wie Fluanxol wirksam reguliert werden.

„Fluanxol verhindert, dass Dopamin zu viele Nervenimpulse weiterleitet“, sagt Vaclav Hamouz, medizinischer Mitarbeiter bei Bayer Vital in Leverkusen. „So ordnet es das Denken und die Wahrnehmung.“ Der Wirkstoff in Fluanxol wird synthetisch im Labor erzeugt und heißt Flupentixol. Er passt auf die Bindungsstellen des Dopamins im Körper. Es gibt Fluanxol als Tabletten oder Tropfen, die täglich geschluckt werden müssen, und als Depot, das alle zwei bis vier Wochen vom Arzt gespritzt wird. Über den Darm oder direkt durch die Spritze gelangt der Fluanxol-Wirkstoff damit ins Blut und schließlich zu den Nervenzellen. Um dort ein Signal weiterzuleiten, muss Dopamin an bestimmte Bindungsstellen der Zellen ankoppeln. Auf diese Stellen setzt sich nun Flupentixol – und blockiert sie: Die Weiterleitung von Impulsen durch Dopamin ist stark eingeschränkt, die Symptome der Schizophrenie (wie Halluzinationen, Wahnideen oder aggressive Erregung) gehen zurück. Patienten reagieren sehr unterschiedlich auf Medikamente wie Fluanxol. Viele Patienten müssen das Mittel über Jahre oder sogar Jahrzehnte nehmen. Oft beugt es neuen Schüben der Schizophrenie vor oder schwächt diese zumindest ab.

Medikamente gegen Schizophrenie werden Neuroleptika genannt. Man unterscheidet zwischen den „klassischen“ und deren modernen Weiterentwicklungen, den „atypischen“ Neuroleptika. Die jüngeren Schizophreniemittel sind zwar besser verträglich, teilweise aber auch weniger wirksam. Fluanxol gehört zur Gruppe der „klassischen“ Neuroleptika. Nebenwirkungen des Medikaments sind vor allem Bewegungsstörungen, darunter Verkrampfungen, quälende Unruhe in den Beinen oder unwillkürliches Zucken.

10 Milliliter kosten 39,76 Euro. Andere Neuroleptika: Truxal (100 Milliliter für 16,67 Euro) oder Fluspi (3 Ampullen für 16,46 Euro).

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