Berlin : So wirkt Johanniskraut

Björn Rosen

Beispiel: Laif, laut Marktforscher IMS unter den meistverkauften Präparaten.

Gegen Depressionen gibt es viele synthetische Medikamente. Sie wirken zwar meist recht gut, können aber auch unangenehme Nebenwirkungen haben. Pflanzliche Mittel wie Laif werden im Allgemeinen gut vertragen. Mit ihnen kann man sich bei leichten Stimmungstiefs selbst helfen. Einige Studien bestätigen die Wirksamkeit solcher natürlicher Antidepressiva – niedrig dosierte Präparate sind aber auch umstritten.

Laif enthält ein Extrakt aus Johanniskraut, einer etwa ein Meter hohen, gelb blühenden Pflanze, heimische in Europa, Asien und Amerika. Für die Herstellung von Laif wird das obere Drittel des blühenden Tüpfel-Johanniskrauts geerntet, getrocknet, zerkleinert und mit Alkohol aufgegossen. Der Alkohol entzieht die Inhaltsstoffe: Wenn er am Ende verdampft wird, bleibt ein konzentriertes Pulver, aus dem Tabletten gepresst werden. Eine enthält den Extrakt von vier Gramm Kraut.

Laif wird einmal täglich eingenommen. Über den Darm gelangen die Wirkstoffe ins Blut und damit bis ins Gehirn. Die wichtigsten bekannten Stoffe, die auch in Laif stecken, sind Hypericin, Hyperforin und die Flavonoide. Im Gehirn greifen sie in die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen ein. Die Zellen kommunizieren mit chemischen Botenstoffen. Diese Neurotransmitter werden in den synaptischen Spalten zwischen zwei Nervenzellen ausgeschüttet, um einen Impuls von einer Sender- an eine Empfängerzelle weiterzuleiten.

Bei Menschen, die unter Depressionen leiden, ist der Botenstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht. Die Stoffe sorgen nun dafür, dass einmal gebildete Neurotransmitter nicht so schnell wieder in die Sender-Zellen aufgenommen und damit wirkungslos werden. Wie diese Blockade genau funktioniert, ist unklar. Klar ist: Durch Johanniskraut bleiben Botenstoffe länger aktiv, neue kommen hinzu – insgesamt erhöht sich damit die Konzentration. Nach drei Wochen soll sich deshalb die Stimmung verbessern. Wichtige Nebenwirkung: Die pflanzlichen Stoffe in Laif können die Fotosensibilität der Haut erhöhen. Der Körper reagiert empfindlicher auf Sonnenlicht, neigt zu Sonnenbrand und Pigmentflecken.

Laif ist frei verkäuflich. Eine Packung (31,20 Euro) enthält 60 Tabletten mit je 900 Milligramm des Kraut-Extrakts. Alternative: Neuroplant (600 mg) für 25 Euro. Deutlich niedriger dosiert: das Mittel von Ratiopharm (425 mg) für 14,30 Euro.

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