Berlin : Sommerspott

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über die Leiden der Veranstalter an den Kapriolen des Sommers

Der Winter ist eine leichte Übung für Festveranstalter. Man weiß: Draußen ist es kalt, gefeiert wird also drinnen. Die grauen Zellen dürfen sich ganz auf Deko und Menü konzentrieren. Ach, der liebe, klare Winter!

Der Sommer ist kapriziös. Nicht nur für Herrn Lehmann, den Romanhelden, ist er eine nervige Mahnung, etwas zu machen aus dem schönen Wetter, das er mit sich bringt: Picknicks, Ausflüge und natürlich Feste. An agilen Veranstaltern, die dieser Mahnung freudig Folge leisten, ist in Berlin kein Mangel, wie man gerade am mittsommerlichen FetenMarathon sehen kann. Anders als der Winter legt sich der Sommer, der eher ein Hallodri ist, allerdings nicht fest. Im Gegenteil, er liebt es, sich mit Hohn und Spott der Kunst der Meteorologie zu entziehen. Es kann sein, dass eine Party in geschlossenen Räumen von den Teilnehmern wie Stubenarrest empfunden wird, weil es draußen so schön und lau ist. Es kann aber auch sein, dass man im luftigen Spaghettiträger-Kleid zum Gartenfest spaziert und plötzlich in einen Prasselregen gerät, der auch gut gewartete Duschen vor Neid rostrot werden lässt. Anders als bei winterlichen Festen gibt es bei Sommerpartys oft keine Garderoben, wo man eine Schutzausrüstung parken kann. Sommer, das ist was für Spielernaturen, also nicht jedermanns Sache. Wenn das Thermometer plötzlich auf Herbst sackt, befindet sich der zu dünn bekleidete Hypochonder mitten in einem Albtraum, in dem der Lichtstreifen am Horizont nur eine Aufschrift trägt: Der nächste Winter kommt bestimmt.

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