Berlin : Sonnabend: Christopher Street Day

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88/500/12 - das sind die Maße des Christopher Street Days (CSD). Achtundachtzig Wagen nehmen an der Parade der Lesben und Schwulen am Sonnabend teil, fünfhunderttausend Teilnehmer werden erwartet, und nach zwölf Stunden geht das offizielle Programm zu Ende.

Bevor der Tag regenbogenbunt wird, bestimmen jedoch Schwarz, Grün, Rot das Spektrum. Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth kommt zum Start des Umzugs am Kurfürstendamm, um den Zivilcouragepreis des Berliner CSD entgegenzunehmen. Die Laudatio gibt’s von Renate Künast (Bündnis 90/Grüne), und SPD-Bürgermeisterin Bärbel Schubert zerschneidet das Startband - ein regenbogenbuntes. Wenn alles nach Plan läuft, ist es dann zwölf Uhr, und die Parade macht sich auf die Strecke (siehe Grafik).

Das Motto des Umzugs „Wir machen Berlin anders - Weltoffen. Tolerant. Queer“ erinnert daran, dass der CSD eine politische Aktion ist. Auch wenn es so mancher Zuschauer angesichts der ausgelassenen Stimmung hoch auf den bunten Wagen nicht so recht glauben mag: Mit dem Umzug wird gegen Diskriminierung und für eine fortschrittliche Gesellschaftspolitik demonstriert.

Am Endpunkt der Parade an der Siegessäule beginnt gegen 17 Uhr die Abschlusskundgebung, auf der die Teilnehmer wieder Rot sehen: Klaus Wowereit ist, ein Jahr nach seinem Outing und Auftritt auf dem vorigen CSD, als Hauptredner vorgesehen. Es folgt ein Bühnenprogramm mit Auftritten von zahlreichen Bands und Discjockeys. Um Mitternacht lässt das Abschlussfeuerwerk den Tiergarten in allen Farben erstrahlen.

Doch nach Hause gehen sie noch lange nicht: In den Clubs wird bis in den frühen Morgen weiter gefeiert. Im Tempodrom steigt ab 23 Uhr die offizielle Abschlussparty auf mehreren Dancefloors. Im ehemaligen wmf in der Ziegelstraße in Mitte werden „CSD Classics“ aus Retro, Disco und House serviert (23 Uhr). Gleich um die Ecke in der Kalkscheune gibt’s „Diven Attacks“ (23 Uhr). Das „Doppelherz“ schlägt dagegen in Kreuzberg, wo das SchwuZ (Mehringdamm) und das SO 36 (Oranienstraße) zu zwei Partys zum Preis von einer einladen. Bleibt nur das Problem, wie man von Kreuzberg 36 nach Kreuzberg 61 kommt. Man wähle Gelb und nehme die BVG, was auch für den ganzen Tag schon gelten sollte. Wegen der Bauarbeiten fahren so gut wie keine S-Bahnen. Die BVG lässt daher ihre U 2 und U 9 öfter rollen. Dank ihres CSD-Tickets in Form des „Zwickauer Damm“-Tangas könnte es sogar mit dem Anschluss klappen. ling

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