SONNTAGS um zehn : Ein freundliches Willkommen

In Marienfelde veranstalteten die Kirchen einen ökumenischen Gottesdienst für christliche Iraker

Benjamin Lassiwe

Abdulmasseh Hamo hat seinen Sohn verloren. Der irakische Christ aus Bagdad starb, als ihn Angehörige der Terrororganisation Al-Qaida entführten. Auch der Vater wurde mit dem Tod bedroht. Er ist einer von 120 Irakern, die in den vergangenen Monaten als Flüchtlinge nach Berlin kamen. Viele mussten wegen ihres Glaubens im Zweistromland um ihr Leben fürchten. Im Aufnahmelager Marienfelde haben die Flüchtlinge nun eine erste Heimat gefunden – und in der nahegelegenen katholischen Kirche Sankt Alfons in der Beyrodtstraße wurden sie von Berliner Christen am Sonntag mit einem Begrüßungsgottesdienst willkommen geheißen. Denn neben Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatten vor allem die beiden großen Kirchen für die Aufnahme der Flüchtlinge gekämpft.

Vertraute Töne schlugen ihnen in Marienfelde entgegen. Denn auch die Berliner Zweigstelle der größten christlichen Kirche im Irak, die chaldäische Gemeinde Berlin, wirkte mit ihrem Chor im Gottesdienst mit. Auch das Hallelujah, die Gebete, die Textlesungen waren in Syrisch, Arabisch und Armenisch. Und die Predigt von Pfarrer Christoph Kuhnke, dem Leiter der Flüchtlingsseelsorge des Diakonischen Werkes Tempelhof-Schöneberg, wurde ins Arabische übersetzt. Von der Kanzel der Sankt-Alfons-Kirche herab wollte er die Flüchtlinge zum Leben in Berlin ermutigen. „Wir wünschen Ihnen, dass Ihnen unsere Stadt freundlich entgegen komme, Sie sich bei uns bald heimisch fühlen mögen und beschützt und in Frieden leben können“, sagte Kuhnke. In einer Meditation nahm er seine Zuhörer mit auf den Berg der Bergpredigt. Und erinnerte daran, dass nicht nur die Menschen, sondern auch Gott die Flüchtlinge in Berlin willkommen heißt.

„Ein Begrüßungsgottesdienst ist eine Handlung, die die Stimme Gottes zum Ausdruck bringt, die ’Seid mir willkommen!’ spricht“, sagte Kuhnke. „Und wen wollte Gott in seiner Liebe und Güte nicht mehr willkommen heißen als diejenigen seiner Menschenkinder, die zuvor leidvoll erleben mussten, dass sie in ihrer Heimat unwillkommen sind?“ Der Pfarrer erinnerte an die Bergpredigt Jesu aus dem Matthäus-Evangelium: „Selig seid ihr, die ihr mit leeren Händen vor Gott steht. Euch gehört das Himmelreich“, heißt es dort. Und: „Willkommen, die Ihr keine Gewalt anwendet. Euch wird die Erde anvertraut.“ Diesen Satz wollte der Pfarrer den Irakern besonders ans Herz legen: „Sie mussten als Gewaltlose vor der Gewalt weichen und fliehen und heimatlos werden.“ Als Antwort habe Gott ihnen die ganze Erde anvertraut. „Es ist gut für uns und unsere Stadt Berlin, einige unter uns zu wissen, denen Gott unser Fleckchen Erde anvertraut hat.“ Benjamin Lassiwe

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