• SONNTAGS um zehn: Hier taucht keiner nach dem Kreuz Aber sonst feiern orthodoxe Christen ihre „Wasserweihe“ ganz traditionell

SONNTAGS um zehn : Hier taucht keiner nach dem Kreuz Aber sonst feiern orthodoxe Christen ihre „Wasserweihe“ ganz traditionell

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Als Bischof Antonij von Konstantia mit seinem prächtigen Gewand auf den Schiffsanleger tritt, drängeln mehrere Kinder nach vorn. Sie wollen den Höhepunkt der traditionellen Wasserweihe hinter dem Haus der Kulturen der Welt nicht verpassen: Dreimal schleudert der bulgarisch-orthodoxe Bischof ein an einem blauen Band befestigtes Kreuz in die Spree. Dreimal zieht er das Kreuz, das mit grünem Kraut geschmückt ist, wieder heraus, anschließend besprüht er die Gläubigen mit dem Spreewasser.

„Das Fest soll an die Taufe Jesu im Jordan erinnern“, sagt Pater Emmanuel Sfiatkos von der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt in Steglitz. Bereits im dritten Jahr in Folge hat seine Gemeinde, zu der rund 10 000 Griechen im Großraum Berlin gehören, die Feier organisiert. Normalerweise feiern orthodoxe Christen das Fest am 6. Januar, dem Tag der Epiphanie. „Weil in Berlin aber der 6. Januar kein Feiertag, sondern ein Werktag ist, haben wir die Wasserweihe auf den darauffolgenden Sonntag verschoben“, fügt er hinzu.

Etwa 300 Menschen haben sich bei Wind und Wetter im Freien an der Spree versammelt. Unter den Gästen sind auch die evangelische Pröpstin Friederike von Kirchbach und der Gesandte der griechischen Botschaft Andreas Fryganas. Eine junge Mutter ist mit ihrer siebenjährigen Tochter aus Schmargendorf gekommen. Die aus Thessaloniki stammende Frau erzählt von der Tradition in ihrer Heimat. Davon, dass am 6. Januar überall in Griechenland die Wasserweihe an Flüssen und am Meer gefeiert wird. „Bei uns ist es Tradition, dass in der Taufe auch die Gewässer geheiligt werden“, sagt sie und berichtet vom Brauch, dass der Priester in Griechenland das Kreuz ins Wasser wirft und Jugendliche danach tauchen. Anders in Berlin. Hier springt keiner der versammelten Gläubigen in die Spree. Zu kalt und wohl auch zu schmutzig ist das Wasser in der Hauptstadt.

Unterdessen verweist Pater Sfiatkos auf eine weitere Bedeutung: Das Fest gelte als Weihe der gesamten Schöpfung, sagt er. „Damit weisen wir auch auf die Verpflichtung aller Christen hin, sich für die Bewahrung der Schöpfung und den Schutz der Umwelt einzusetzen.“

Zur Feier beim Haus der Kulturen der Welt sind Vertreter zahlreicher orthodoxer Gemeinden gekommen: Rumänen, Russen und Serben, aber auch Bulgaren und zahlreiche Griechen. Immer wieder stimmt ein Männerchor die orthodoxen Gesänge an – mal in griechischer, mal in russischer, mal in bulgarischer Sprache. Kaum hat der bulgarisch-orthodoxe Bischof die letzten Worte gesprochen, beginnt es leicht zu regnen. Bei Glühwein klingt die Wasserweihe im Haus der Kulturen der Welt aus. Barbara Schneider

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