Sonntags um zehn : Nach dem Amen an den Start

"Meine Zeit steht in deinen Händen", heißt es im 31. Psalm. In der Sankt-Marien-Kirche feiern Läufer des Halbmarathons eine Andacht vor dem Start.

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Turnschuh an zum Gebet. Läufer-Andacht in Sankt Marien am Alex.
Turnschuh an zum Gebet. Läufer-Andacht in Sankt Marien am Alex.Foto: Paul Zinken

Sichtlich angespannt kamen sie in die Sankt-Marien-Kirche am Alexanderplatz. Manche hatten den Wäschebeutel in der Hand, andere trugen schon ihre Startnummer und die Läuferkleidung. Rund 35 Läufer des Halbmarathons, ihre Fans und Freunde, trafen sich gestern kurz vor Beginn des Rennens zu einer ökumenischen Andacht in dem Gotteshaus, das direkt an der Laufstrecke gelegen war. „Ich bin praktizierender Katholik, und die Messe am Sonntag gehört für mich einfach dazu“, sagt Ralf Lüpke, der aus Nordrhein-Westfalen zum Laufen nach Berlin gekommen war, und darauf hoffte, die 21 Kilometer in weniger als zwei Stunden zu bewältigen. „Und wenn ich wegen des Rennens nicht zur Messe gehen kann, dann freue ich mich darüber, dass es hier wenigstens eine Andacht gibt, in der ich Kraft tanken kann.“

Dazu eingeladen hatten der Jugendreferent des Evangelischen Gemeinschaftswerks Berlin-Brandenburg, Frieder Schaefer, und die Diakonin Sabrina Tesch. Im blauen Trainingsanzug trat Schaefer vor den Altar und lud die Sportler ein, am Anfang des Tages darüber nachzudenken, „wem wir es zu verdanken haben, dass wir überhaupt laufen dürfen“. Schaefer sprach über einen Bibelvers, der für die Menschen beim Marathon vermutlich „eine ganz besondere Bedeutung“ hat: „Meine Zeit steht in Deinen Händen“, heißt es im 31. Psalm. „Die Zeit ist das Topthema unter den Läufern“, sagte Schaefer. „Manche wollen unter zwei Stunden ankommen, manche unter eins dreißig – und manche wollen überhaupt nur ins Ziel kommen.“ Er selbst war schon mehrfach beim Halbmarathon dabei. Für Tesch dagegen war es der erste Lauf, sie hoffte darauf, „nicht vom Besenwagen mitgenommen zu werden“. Doch alles liege in Gottes Händen. Nicht jeder erreiche das Ziel, sagte Schaefer und erinnerte an den Läufer, der im vergangenen Jahr beim Halbmarathon verstarb. „Ich wünsche uns allen einen Lauf in Gottes bewahrenden Händen“, sagte Schaefer.

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