SONNTAGS um zehn : Störenfried für den Frieden

Festgottesdienst zum 60. Jubiläum von Pax Christi

Zu einem besonderen Gottesdienst läutete es gestern Vormittag in Charlottenburg vom Glockenturm vor Maria Regina Martyrum. In der katholischen Gedächtniskirche zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit aus den Jahren 1933-1945 beendete ein Festgottesdienst die drei Jubiläumstage zum 6o. Geburtstag der deutschen Sektion von „Pax Christi“. So heißt die katholische Friedensbewegung, die sich vor 60 Jahren gründete – ausgelöst durch einen Aufruf französischer Bischöfe zu einem „Kreuzzug der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich“.

Die fünf Glocken von Maria Regina Martyrum wurden gestern weithin erhört – voll besetzt war um 10 Uhr das riesige Kirchenschiff, als die Bischöfe Heinz Josef Algermissen (Fulda), Wiktor Skworc (Polen) und Marc Stenger (Frankreich) Einzug hielten. Als Ort der Mahnung bezeichnete Alexander Groß die Kirchenwahl für den Festgottesdienst zu Ehren von „Pax Christi“ und erinnerte an die 2800 in Plötzensee brutal hingerichteten Opfer der Nazidiktatur, darunter auch sein 2001 selig gesprochener Vater Nikolaus Groß. Sich wie dieser nicht herrschendem Unrecht anzupassen, sondern als Christ nicht zu schweigen, wenn Protest angebracht ist, das sollte jedem das Ziel sein. Gegen die massive Verletzung der Menschenwürde einzutreten – das sei heute ein Schlüsselwort für „Pax Christi“. Vor Gott bestehen könne nur, wer sich hier und heute einsetzt.

Das versuchen die Mitstreiter der katholischen Friedensbewegung, sagte gestern Bischof Marc Stenger, der die Grüße der französischen Sektion von „Pax Christi“ überbrachte. Seit 60 Jahren sei man auf dem Weg, eine neue Welt zu bauen – ohne Krieg und voller Toleranz, Liebe und Freundlichkeit.

Dass es in der irdischen Welt voller Ungerechtigkeit, Lüge und Verharmlosung oft schwer ist, dem Frieden einen Weg zu bahnen, habe man in den 60 Jahren von „Pax Christi“ immer wieder erlebt, schloss sich Bischof Heinz Josef Algermissen an. Trotzdem gelte es, immer wieder aufs Neue dazu aufzubrechen. „Der Friede sei mit Euch“ sei der erste Satz des auferstandenen Jesus gewesen. Wer sich im österlichen Glauben darum bemühe, dürfe die Welt nicht vor die Hunde gehen lassen – etwa durch das Töten ungeborener Kinder, durch Sterbehilfe oder „verbrauchende Embryonenforschung“, über die der Bundestag am 11. April abstimmen wolle. Mit der österlichen Kraft der Hoffnung müsse sich „Pax Christi“ als Störenfried betätigen. Denn wer gläubig sei, müsse konsequent alle Formen des organisierten Todes ablehnen. hema

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