SONNTAGS um zehn : Vom Gesetz der Nächstenliebe

Zu Gast beim Gottesdienst der Britzer Bruder-Klaus-Gemeinde

Sandra Stalinski

Versteckt hinter Bäumen ragt ein spitzes Holzdach in den Himmel. Wie ein großes Zelt sieht sie aus, die katholische Bruder-Klaus-Kirche am Bruno-Taut-Ring, einem verschlafenen Eck in Britz. Die flügelförmigen Holztüren sind nur einen Spalt breit geöffnet, gerade so weit, dass ein Mensch hindurchpasst. Wer die Schwelle übertritt, taucht ein in die Stille des Raumes. Ein unscheinbares Holzkreuz links neben dem Altar, an den Wänden ein schnörkelloser Kreuzweg.

Es gibt keinen Kirchturm, nur einen kleinen Dachreiter. Hier legt man Wert auf Schlichtheit, nicht nur im Kirchenraum. Der Heilige Bruder Klaus, der Kirchenpatron, verließ einst seine Familie, um Gott in der Einfachheit zu finden und den Menschen zu dienen. Seine Kraft setzte er für den Frieden ein. Den Geist des Namenspatrons kann man in der Gemeinde noch spüren. Es ist eine kleine Kirche, gerade mal zwanzig Bänke gibt es, doch die sind gut gefüllt. Die Liturgie ist einfach, begleitet von sanften Orgelklängen. Die Gesichter sind freundlich.

Im Evangelium wird Jesus von einem Gesetzeslehrer auf die Probe gestellt: Was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen? „Was steht im Gesetz?“, fragt Jesus zurück. „Du sollt deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ – „Und wer ist mein Nächster?“ Da erzählt Jesus das Beispiel vom barmherzigen Samariter, der sich eines Ausgeraubten und Verwundeten annimmt, während alle anderen vorbeigehen. Die Gefahr bestehe darin, das Gesetz absolut zu setzen, sagt Pfarrer Bernhard Gewers. „Doch das hat Jesus durchbrochen. Er überwindet sture Gesetzesgläubigkeit mit der Liebe.“ Um in der Flut der Gesetze auch heute nicht unterzugehen, müsse man sie im Licht der Menschlichkeit betrachten, plädiert der Pfarrer. Er ruft die Gemeindemitglieder dazu auf, diese Spur Jesu nicht zu verlassen.

Und so stehen sie nach dem Gottesdienst noch eine Weile auf dem Kirchhof zusammen. Jeder kennt hier jeden. Hände werden geschüttelt, Neuigkeiten ausgetauscht. Sandra Stalinski

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