Soziales Engagement : „Flüchtlinge sind hier nicht allein“

Abiturientin Media Haji Younis, 21, aus Neukölln hilft Flüchtlingen mit Sprachunterricht und Behördengängen.

Deutschstunde. Media Haji Younis bei ihrem Einsatz für die Flüchtlinge.
Deutschstunde. Media Haji Younis bei ihrem Einsatz für die Flüchtlinge.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

WAS ICH MACHE

Vor einem Jahr habe ich das Projekt „Hilfe für Flüchtlinge“ gegründet, mithilfe des Kurdistan Kultur- und Hilfsvereins. Wir geben Flüchtlingen Nachhilfe in Deutsch. Außerdem begleiten wir sie als Übersetzer bei Behördengängen, denn davor haben sie große Angst. Sie fühlen sich schwach, weil sie nichts verstehen. Als ich das erste Mal mit einem Flüchtling zum Arbeitsamt gegangen bin und ihm am Ende gesagt habe, dass alles in Ordnung ist, da konnte ich das Glück richtig in seinem Gesicht sehen. Ich dachte: Jetzt fühlt er sich endlich wohl in diesem Land. Bisher besuchen uns vor allem Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Iran und Irak. Auch einige Menschen aus Syrien und dem türkischen Raum sind dabei. Wir wollen den Flüchtlingen zeigen, dass sie nicht allein sind. Deswegen machen wir auch in unserer Freizeit viel miteinander. Mittlerweile sind wir Freunde. Unser Projekt hat am vergangenen Donnerstag den „Jugend hilft!“-Preis des Vereins Children for a better World erhalten. Das ist überwältigend. Am Sonnabend fand dazu ein Empfang im Schloss Bellevue statt. Sogar die First Lady Daniela Schadt war da und hat uns gesagt, wie klasse sie es fände, was wir da machen. Das hat uns alle total gefreut. Wir hatten das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Die Flüchtlinge könnten es mit ein bisschen Hilfe so viel leichter haben. Doch statt zu helfen, haben so viele Menschen gegen das Flüchtlingsheim in Hellersdorf protestiert, obwohl es uns in Deutschland doch so gut geht und die Flüchtlinge so viel durchmachen mussten. Wir hoffen, durch die Auszeichnung mehr Freiwillige für unsere Arbeit zu gewinnen. Momentan sind wir nur sechs Jugendliche für etwa 80 Flüchtlinge. Das sind zu wenig.

Aufgezeichnet von Valerie Schönian.

Wer sich bei „Hilfe für Flüchtlinge“ engagieren möchte, kann sich beim Kurdistan Kultur- und Hilfsverein melden unter Telefon: 61 89 20, Paul-Lincke-Ufer 44a in Kreuzberg. Auch finanzielle Unterstützung für das Lernmaterial wird gebraucht. Spenden gehen an: Kurdistan Kultur- und Hilfsverein, Kontonummer: 670019402, BLZ: 10050000, Berliner Sparkasse.

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