Berlin : Sozialismus heute

NAME

Von Bernd Matthies

Der Sozialismus als Idee ist viel zu toll, um nur den Sozialisten überlassen zu werden. Denn die machen alles verkehrt, gehen an die Sache zu grob heran wie Stalin, treten erfolglos auf der Stelle wie Castro und Kim Il-Sung oder stolpern wie Gysi über die Bonusmeilen, die ihnen das internationale Großkapital in den Weg legt. Das Grundproblem besteht offensichtlich in der Zwangsvorstellung, man müsse den Reichen nehmen und den Armen geben. Dieses Robin-Hood-Zeugs aber ist hoffnungslos altmodisch, ja, es macht nichts als Ärger.

Moderner wissenschaftlicher Sozialismus kann nur ein Ziel haben: jeden Werktätigen auf Lebenszeit zu verbeamten, sagen wir: A13. Kann man prima von leben, Gleichheit, Solidarität und Gerechtigkeit sind garantiert, und das lästige Herumsozialisieren an den Produktionsmitteln kann vorerst entfallen – was sollen Beamte mit Walzstraßen und Zementfabriken?

Alles Blödsinn? Ganz im Gegenteil. Wir beziehen uns auf die 33-jährige Potsdamer PDS-Abgeordnete Esther Schröder, die nun nicht Staatssekretärin in Berlin wird, weil man sie nicht sofort zur Beamtin auf Lebenszeit ernennen möchte. Sie muss es wissen, denn sie ist Volkswirtin und hat über „Leiharbeit in Deutschland“ promoviert – und wenn sie ihre Arbeit dem Senat nicht leihen möchte, dann offenbar deshalb, weil das Beamtendasein auf Zeit einfach nicht den Minimalanforderungen entspricht, auf denen ein moderner Sozialist beharren muss.

Es könnte natürlich auch sein, dass es sich bei der Auswahl Frau Schröders einfach um eine Fehlentscheidung gehandelt hat. Ja, der Sozialismus ohne die Sozialistenwäre wirklich eine feine Sache.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben