Berlin : "Sozialpalast": Statt Abrissbagger kamen Quartiersmanager

Tobias Arbinger

Genau genommen sieht der "Sozialpalast" in Schöneberg nicht anders aus als andere Neubauten aus den 70er Jahren: graue Betonwände, Satellitenschüsseln an den Balkons, beschmierte Klingelknöpfe. Der Sozialwohnungsbau, der 1976 am alten Standort des Sportpalasts errichtet wurde, fällt so auf, weil er die Pallasstraße wie ein riesiger Riegel überbrückt und die Altbauten der Umgebung weit überragt. Wegen Vandalismus, zunehmender Kriminalität und Verwahrlosung kam der Bau vor drei Jahren in die Schlagzeilen.

Und wegen der damaligen Forderung von CDU-Fraktionschef Klaus-Rüdiger Landowskys, ihn am besten abzureißen. Statt Bagger mit Abrissbirnen, rückten jedoch Sozialarbeiter an. Seit Ende 1998 läuft ein "Quartiersmanagement" im Kiez um den Sozialpalast. Einiges wurde renoviert, den vielen sozial Schwachen der Gegend wird mit mehreren Projekten unter die Arme gegriffen. Die Ergebnisse der Arbeit besichtigte am Dienstagabend der neue Bürgermeister des Bezirks, Dieter Hapel (CDU).

Ein Rundgang mit lokalpolitischer Brisanz: Anfang Januar kochte der Streit um den Sozialpalast in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wieder hoch. Die CDU-Fraktion warf Hapels grüner Vorgängerin Elisabeth Ziemer, in deren Ressort das Quartiersmanagement fiel, vor, das Erreichte sei nur "Kosmetik", der Kiez stehe vor dem Umkippen. Der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Lawrentz (CDU) brachte den Abriss wieder zur Sprache. Von einer "doch recht spannenden Entwicklung, die mich gedämpft optimistisch macht", sprach am Dienstag hingegen sein Parteifreund Dieter Hapel. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt... Gemütlich haben sie es nicht, die rund 1500 Bewohner des Sozialpalasts. Viele Scheiben in den Aufgängen sind zersplittert. Düstere Flure ziehen sich 200 Meter lang durch den Riegel. Eine Lüftung rauscht. Das Ganze erinnert an Krankenhaus. Vor dem Gebäude beginnen Hapel und einige Dutzend Bürger den Rundgang.

An Hauseingängen wurden neue Türen, Klingeln und Briefkästen eingebaut, das Hauptgebäude erhielt neue Fahrstühle, sagt Quartiersmanagerin Beate Miculcy. Ein Mieterbeirat wurde gegründet. Alle paar Wochen veranstaltet er einen Trödelmarkt. Auf einem Parkplatz hinter dem Wohnhaus verteilen Bagger derzeit Sand für einen neuen Park, der im August fertig werden soll. Im ersten Stock des Sozialpalasts, der seit kurzem offiziell "Pallasseum" heißt, liegt das Büro der Quartiersmanager. Im Parterre soll ein "Bewohnercafé" entstehen. Die Flure sollen unterteilt, eine zentrale Pförtnerloge gebaut werden. Zwei Drittel der Kosten bezahlt der Hauseigentümer, ein Drittel der Senat.

Etwa 4,3 Milionen Mark öffentlicher Gelder sind bislang in die verschiedenen Projekte des Quartiersmanagements in Schöneberg-Nord geflossen. Nicht nur in den Sozialpalast, sondern auch in andere Projekte, wie zum Beispiel einen Familientreffpunkt, wo Mütter beraten, Deutschkurse für Ausländer angeboten werden.

Welche Veränderungen nehmen Mieter des Sozialpalasts wahr? Für ein türkisches Ehepaar, das dort seit 24 Jahren wohnt, ist nichts mehr zu retten. Das Gebäude gleiche einem Gefängnis, sagt die Frau. Sie wolle am liebsten ausziehen. "Es gefällt mir jetzt wieder besser", sagt eine 49-jährige Mieterin. Ohnehin möge sie die "großzügigen Wohnungen". "Die Aufgänge sind sauberer geworden. In den Gängen liegen keine Drogenabhängigen mehr herum. Die Wände werden nicht mehr beschmiert, und man spricht wieder miteinander", sagt Mieter Michael Pastor, der die Quartiersmanager als ABM-Kraft unterstützt. "Man traut sich wieder zu sagen, dass man hier wohnt".

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