Berlin : Spandau: Ausgeliefert

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Auch aus dem Evangelischen Johannesstift sind Patienten während des Euthanasieprogramms der Nazis in Tötungsanstalten verlegt worden. So lautet das Ergebnis der mehrjährigen Erforschung der Geschichte der Diakonieeinrichtung in der Zeit von 1939 bis 1945.

"Wir müssen mit Betroffenheit zur Kenntnis nehmen, dass einzelne Menschen, die sich selbst oder deren Angehörige sie dem Johannesstift anvertraut hatten, von der damaligen Stiftsleitung nicht gegen Verlegungsmassnahmen und vor Mord in einer der Tötungsanstalten geschützt werden konnten," erklärte Stiftsvorsteher Peter Fenner. Mit Sicherheit sei aber auszuschließen, dass im Johannesstift selbst Patienten ermordet wurden.

Dennoch seien die Bewohner aller Pflegeheime für behinderte oder chronisch kranke Kinder, Erwachsene und Senioren akut gefährdet gewesen. Nach 1941 wurden auf staatliche Anordnung Menschen aus diesen Häusern in die damaligen Wittenauer Heilstätten (heute Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik) verlegt. Von dort aus kamen mindestens drei namentlich bekannte Frauen in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde und wurden dort zwischen 1942 und 1944 umgebracht. Es wird aufgrund der unvollständigen Unterlagen nicht ausgeschlossen, dass weitere Personen aus dem Johannestift ebenfalls dieses Schicksal erlitten.

Mit allen Mitteln war versucht worden, bereits nach Wittenau verlegte Patienten ins Johannesstift zurückzuholen. Dies gelang für acht von zehn Menschen. Andere gefährdete Patienten wurden zu ihren Familien gebracht oder in private Anstalten verlegt, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen.

Recherchen der Historiker haben ebenfalls nachgewiesen, dass im Johannesstift entgegen der bisherigen Annahme auch Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Sie kamen aus Ost- und Südosteuropa sowie aus Holland und Belgien.

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