Spandauer Forst : Noch keine heiße Spur vom Messermörder

Im Fall der im Spandauer Forst erstochenen Psychologin sind mehr als 90 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Dass der Täter ein ehemaliger Patient war, wird ausgeschlossen.

Tanja Buntrock<br />,Rainer W. During
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Foto: Polizei

Ein Strauß mit neun Rosen liegt unweit des Tatorts an einer Waldwegkreuzung im Spandauer Forst. Ein Zettel ist den Blumen beigefügt. „Wir sind fassungslos und ratlos“, steht darauf. Und: „Wir trauern um einen lieben Menschen. Deine Kraft zum Leben und Deine Courage werden uns fehlen.“ Darunter ein „WARUM?“

Nachdem die Diplom-Psychologin Kerstin S. am Sonnabend hier beim Sport von einem Unbekannten erstochen wurde, hat die Polizei Hinweiszettel („Mord im Spandauer Forst“) an den Bäumen befestigt. Die Ermittler erhoffen sich dadurch weitere Erkenntnisse. Bislang sind mehr als 90 Tipps aus der Bevölkerung eingegangen. Eine konkrete Spur sei noch nicht darunter, sagt Chef-Ermittler Thomas Scherhandt. Gerade im Bereich von Kuhlake und Wildgehege ist der Spandauer Stadtforst ein beliebtes und besonders am Wochenende stark besuchtes Ausflugsgebiet. Gestern Mittag allerdings waren nur wenige Spaziergänger zu sehen.

Wie berichtet, war Kerstin S. am Sonnabend gemeinsam mit ihrem Ehemann zum Sporttreiben in den Berliner Stadtforst gefahren. Während ihr Mann kurz vor 9 Uhr zu einer größeren Route Joggen startete, machte die 39-Jährige in Höhe Kuhlake Meditations- und Atemübungen der chinesischen Qigong-Lehre. In ihrer direkten Nähe hätten sich zu dieser Zeit keine Spaziergänger oder Jogger befunden, sagte Scherhandt. Plötzlich tauchte ein in Weiß gekleideter Mann auf, mit einem „signalroten Fahrrad“, wie es bei der Polizei hieß. Der Täter stach mit einem Messer mehrmals auf Kerstin S. ein. Sie starb wenig später an ihren Bauchverletzungen in einer Klinik. Bevor sie nach der Attacke das Bewusstsein verlor, war es ihr gelungen, einem Passanten eine Beschreibung des Täters zu geben. Der Zeuge war zufällig im Forst und hatte Hilfeschreie gehört.

Spekulationen, dass es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Patienten der Psychologin handeln könnte, wies Chefermittler Scherhandt zurück. „Sie kannte den Mann nach unseren Erkenntnissen auf keinen Fall“, sagte er. Kerstin S. arbeitete seit 2001 am Campus Benjamin Franklin in Steglitz. Mehrere Zeugen hatten den Mann schon vor der Attacke im Forst gesehen. Er soll dort schon öfter wahrgenommen worden sein, hätten einige Zeugen berichtet. Sie beschrieben ihn als 15 bis 20 Jahre alt. Er soll sehr „gepflegt“ aussehen. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Täter psychisch krank ist.

Angst? Nein, die habe sie nicht, sagte gestern eine Frau mit Schäferhund an der Leine. Dennoch, als die Polizei noch über eine Reiterstaffel verfügte, die regelmäßig Präsenz zeigte, sei es im Wald sicherer gewesen, glaubt sie.

Die Berliner Polizei sucht weiter dringend nach den Zeugen, die der Frau noch am Ort des Geschehens Erste Hilfe geleistet haben. „Es haben sich offensichtlich noch nicht alle Bürger, die das Opfer noch lebend gesehen haben, bei uns gemeldet“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Hinweise nehmen die 7. Mordkommission unter der Telefonnummer 030 - 4664 - 911 701 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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