Berlin : Spandauer sollen vor der eigenen Haustür kehren

Mit einer Sauberkeits-Aktion will der Bezirk Bürger zu mehr Engagement für ihren Kiez ermuntern. Andere Bezirke sind skeptisch

Rainer W. During

Vor dem Rathaus gingen Spandaus Bürgermeister Konrad Birkholz und Baustadtrat Carsten Röding (beide CDU) gestern mit gutem Beispiel voran und kehrten selbst die Zigarettenkippen zusammen. Zum Start des zweiten Teils der Kampagne „Bleib sauber Spandau“ wollten sie die Bürger dazu ermuntern, mehr Engagement für ihren Kiez zu zeigen und auch einmal selbst vor der eigenen Tür für Ordnung zu sorgen.

Auf 500 durch eine Wirtschaftsorganisation gesponserten Plakaten zeigt Bürgermeister Birkholz mit einem Besen, wie einfach das geht. Die VVR Berek hängt die Poster kostenlos im Bezirk aus. „Das passt gut zu unserer Kampagne gegen wildes Plakatieren“, sagte Marketing-Chef Askan Lerche. Zusätzlich schickt der Bezirk 75 Ein-Euro-Jobber einer Beschäftigungsgesellschaft auf die Straße, um für mehr Sauberkeit im Stadtbild zu werben. Zur Fußball-WM waren sie in den Parks unterwegs. Jetzt sollen sie Bürger dazu anhalten, keinen Unrat auf Spielplätzen zu hinterlassen.

Bereits im vergangenen Jahr wurde beim Ordnungsamt der Arbeitskreis „Bleib sauber Spandau“ gegründet. Vertreter von Behörden, Wirtschafts- und Nachbarschaftsvereinen, Wohnungsbaugesellschaften und der Stadtreinigung diskutieren hier einmal monatlich über Aktivitäten mit Signalwirkung – so wie die aktuelle Plakataktion. Wer daran interessiert ist, in diesem Gremium ehrenamtlich mitzuarbeiten, kann sich unter der Rufnummer 3303 3002 melden. Damit will Spandau auch Vorreiter für Berlin sein, sagt Amtsleiterin Elke Gassert.

In anderen Bezirken begrüßt man die Spandauer Initiative, hält sich aber selbst zunächst zurück oder verweist auf eigene Initiativen in der Vergangenheit. In Charlottenburg-Wilmersdorf beispielsweise wurden vor eineinhalb Jahren mit einer Plakataktion ehrenamtliche Helfer für die Grünpflege gesucht, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Die Bewerber wurden an die Bürgerinitiativen vermittelt, die sich um Lietzenseepark und Jungfernheide kümmern. Der Einsatz von Ein-Euro-Kräften im Bereich des Ordnungsamtes sei problematisch, weil sie Übeltäter zwar ermahnen, nicht aber sanktionieren dürfen.

Auch für Steglitz-Zehlendorf sind Sauberkeitsappelle an die Bürger keine Neuheit, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Mit reinem Zettelverteilen ist es aus seiner Sicht aber nicht getan. Wichtig sei es, Präsenz zu zeigen.

Svend Simdorn (CDU), Baudezernent in Marzahn-Hellersdorf, will die Erfahrungen der Spandauer abwarten und dann entscheiden, ob er eine Aktion startet. Beim Einsatz von Ein-Euro-Jobbern ist er skeptisch: Das Ziel, die Betroffenen für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen, sei fraglich.

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