Spendenaktion des Tagesspiegels : Obdachlosenhelfer gibt sich als Notarzt aus

Ein Vereinsmitglied der Berliner Obdachlosenhilfe hat sich absichtlich und fälschlicherweise als Notarzt bezeichnet, auch dem Tagesspiegel gegenüber. Der Verein war zudem Teil der diesjährigen Spendenaktion. Der Verlag prüft den Fall.

Die Berliner Obdachlosenhilfe hat herausgefunden, dass eines ihrer Vereinsmitglieder sich über Monate absichtlich fälschlicherweise als Notarzt bezeichnet hat – auch dem Tagesspiegel gegenüber, der in der Spendenserie „Menschen helfen!“ über den Verein berichtete. Der Mann habe „unsere Gäste nie ärztlich behandelt und hatte auch nie die Absicht, das zu tun. Auf den Touren hat er selten die jedem erlaubte Nothilfe geleistet, also beispielsweise Verbände gewechselt“, sagt Vereinsvorstand Florian Wagner.

Der Mann wurde inzwischen aus dem Verein ausgeschlossen

In jüngster Zeit seien den Vereinsmitgliedern mehrere Ungereimtheiten aufgefallen, daraufhin habe man sich bei der Berliner Ärztekammer erkundigt. Dort war niemand unter dem Namen des Mannes registriert. Mit den Anschuldigungen konfrontiert habe der Ehrenamtliche alles zugegeben und versprochen, sich in psychologische Behandlung zu begeben. Er habe sich selbst anzeigen wollen. Missbrauch von Titeln ist eine Straftat. Laut Wagner werde der Mann aus dem Verein ausgeschlossen. Künftig will der Verein eine Kopie des Personalausweises von allen Mitgliedern verlangen, die einen Schlüssel zu den Räumen bekommen, in denen Spenden gelagert werden.

Der Spendenverein des Tagesspiegels wird prüfen, ob die Berliner Obdachlosenhilfe e.V. noch Spenden bekommt. Der Tagesspiegel organisiert seine Spendenaktion „Menschen helfen!“ für Bedürftige in Berlin, Brandenburg und weltweit zum 24. Mal. Ein erfahrenes Team von Redakteuren und anderen Mitarbeitern des Verlags kümmert sich teils auch ehrenamtlich um die Aktion, daher kann das gesammelte Geld fast komplett in die Projekte gehen. Die Vereine müssen bei der Bewerbung Nachweise des Finanzamtes einreichen, senden teils Empfehlungsbriefe; es gibt auch ein Controlling. In dem Vierteljahrhundert gab es den Fall Udo D. alias Andreas Becker von Hatun und Can e.V., der auch Spenden von der Aktion erhalten hatte. D. war 2011 wegen Betrugs zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.

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