Spendenaktion - Menschen helfen! : Aladdins Wunderladen

Ein Kreuzberger Kinder- und Jugendclub Aladdin braucht Unterstützung – der sechste Teil unserer Spendenserie.

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Junge Handwerker. Zum Kreuzberger Kinder- und Jugendclub Aladdin gehört auch eine Werkstatt.
Junge Handwerker. Zum Kreuzberger Kinder- und Jugendclub Aladdin gehört auch eine Werkstatt.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mitten im verschneiten Kreuzberg erinnert ein Ladenlokal ein wenig an 1001 Nacht: Grüne und goldene Stoffe verkleiden die Decke des Kinder- und Jugendclubs Aladdin, es riecht nach Orangen und Mandarinen. Das liegt natürlich auch an den Weihnachtsvorbereitungen: Die Kinder, die ihre Nachmittage hier verbringen, hängen gerade getrocknete Orangenscheiben an selbst gebastelte Holzsterne – für den Weihnachtsbaum in der Ecke. Etwa 20 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren kommen jeden Tag zu Aladdin, einer sozialpädagogischen Einrichtung, in der zwei Betreuer für sie da sind. Drei Viertel der Kinder haben einen Migrationshintergrund, viele Eltern beziehen Hartz IV, einige sind alleinerziehend.

Weil die Kinder nicht im Hort angemeldet sind, wären sie ohne das Projekt oft sich selbst überlassen, sagt Aladdin-Leiterin Monika Heinritzi-Svesnikov. Hier finden sie jedoch Angebote: Es wird gebastelt und gebacken, gewerkelt, gemalt und getobt. Und viel gelernt. Weil Aladdin besonders benachteiligten Kindern offenstehen soll, kostet es monatlich nur zehn Euro pro Kind. Das Ziel ist klar: „Mit Kopf, Herz und Hand“ sollen die Kinder außerhalb der Schule gefördert werden. „Es geht um sprachliche und motorische Fertigkeiten, um eigenverantwortliches Handeln, um Teamfähigkeit.“ Kurz: um soziale Integration.

Aladdin ist ein Projekt des Vereins Forum Kreuzberg, das im Sommer 2009 ins Leben gerufen wurde und seitdem stark nachgefragt wird. Aber die Kapazitäten sind begrenzt: Die beiden Ladenlokale, die nebeneinander liegen und in denen der gemütliche Gemeinschaftsraum, eine kleine Küche, eine Puppentheaterecke und eine eigene Holzwerkstatt untergebracht sind, können nicht mehr als die schon angemeldeten Kinder fassen. Und auch für die wird es finanziell gerade eng: Zwar gibt es eine Anschubfinanzierung. Dennoch fehlt schon für nächstes Jahr rund die Hälfte der Miete. Ab 2012 ist der Bestand des Kinder- und Jugendclubs stark gefährdet. Neben Spenden für die Miete ist das Projekt deshalb auch auf der Suche nach langfristigen Sponsoren und hofft zudem auf die Großzügigkeit der Tagesspiegel-Leser. Die Kinder bemerken von den finanziellen Sorgen der Erwachsenen zum Glück kaum etwas. Sie kommen jeden Tag gern hierher, „weil alle nett sind und wir schöne Sachen machen“, sagt die achtjährige Elif. Heute erfinden einige Kinder zusammen Geschichten im Gemeinschaftsraum, zwischendrin schieben sie mit Hilfe von Monika Heinritzi-Svesnikov ein Blech voller Plätzchen in den Ofen. In der Holzwerkstatt reparieren andere einen Schlitten, schmirgeln Fantasietiere aus Holz und bemalen sie.

Betreut werden sie dabei von Ayhan Kirkpinar, der mit neun Jahren aus der Türkei nach Kreuzberg kam. „Ich kenne mich in der Lebenswelt der Kinder aus“, sagt er. Er spricht türkisch, besucht auch mal die Familien zu Hause und berät sie. Alle zwei Monate werden die Eltern zum „Elternfrühstück“ in den Kinder- und Jugendclub eingeladen. Dann werden Sorgen besprochen, aber auch Themen wie ganzheitliches Fördern. „Wenn wir etwa Theater spielen, studieren wir ein Stück ein, nähen die Kostüme, bauen das Bühnenbild und gestalten die Plakate selbst“, erklärt Heinritzi-Svesnikov, die wie Kirkpinar zur Vertrauten der Kinder geworden ist. „Das Schönste ist“, sagt sie, „dass es ein so persönliches Projekt ist, in dem wir für jedes der Kinder da sein können.“

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