Berlin : Sperrung der Havelchaussee: Zweiter Anlauf von Rot-Grün

Jörn Hasselmann

SPD und Grüne diskutieren wieder über eine Sperrung der Havelchaussee. "Der zunehmende Autoverkehr ist eine Bedrohung für den Wasserschutz", sagte der grüne Michael Cramer. "Die Zahl der Autos muss reduziert werden." Auch SPD-Sprecher Christian Gaebler plädiert dafür, an Wochenenden die Straße nur Skatern und Radfahrern zu überlassen. Vor zehn Jahren, bei der ersten rot-grünen Koalition, gehörte die Sperrung der im Wasserschutzgebiet liegenden Chaussee zu den umstrittensten Projekten.

Die Polizei gibt zu, dass sie kein Personal mehr hat, um Raser oder Schwarzparker auf Waldwegen zu kontrollieren. Denn für den Wilmersdorfer Teil der Havelchaussee ist der Abschnitt 25 zuständig - und der ist ausgelastet mit Großveranstaltungen, Staatsbesuchen, Demonstrationen und der Überwachung von 64 Botschaften. Letztes Wochenende zum Beispiel musste der Abschnitt 25 zu 26 Unfällen ausrücken - "da fährt kein Funkwagen mehr in die Havelchaussee", sagte die Leiterin des Abschnitts, Babett Neelsen. Die Polizeirätin betont, dass immerhin noch der KOB auf dem Mountainbike, die Hundeführer zu Fuß und die Reiterstaffel zu Pferde auf der zehn Kilometer langen Straße unterwegs seien. "Wir konzentrieren uns darauf, das Parkverbot auf Waldwegen zu kontrollieren", sagte Neelsen. Wie viele Autos an den letzten Wochenenden abgeschleppt wurden, kann sie nicht sagen. Ein Beamter bestätigte jedoch den Eindruck der Grünen, dass "massiv falsch geparkt wird".

Der motorisierte "Freizeitverkehr" nimmt in Deutschland seit Jahren stark zu. "Autos machen die Havelchaussee unattraktiv für Wanderer, Radler und Skater", sagte Cramer. Ein Rennradfahrer berichtete, dass vor allem die Zahl der Cabrios, Motorräder und Geländewagen rapide angestiegen sei, "die fahren da nur zum Spaß durch". Cramer und Gaebler plädieren deshalb für eine Sperrung in der Mitte, um eben diesen Durchgangsverkehr zu stoppen. So kämen die Surfer mit ihren Brettern immer noch an den Strand.

Genau so eine Sperrung gab es schon einmal - initiiert von der ersten rot-grünen Koalition. Am 2. April 1989 war die Straße zwischen Großer Steinlanke und Lieper Bucht für Autos gesperrt worden, nur Busse durften passieren. Nach dem Ende der rot-grünen Koalition hatte CDU-Verkehrssenator Haase die Sperrschilder eigenhändig wieder abmontiert. Seitdem ist die Havelchaussee nur noch nachts zwischen 24 und 6 Uhr früh gesperrt.

Doch auch dieses Verbot werde "nicht immer eingehalten", sagt Zehlendorfs Verkehrsstadtrat Ralf Körner (CDU). Er konnte sich nicht einmal mit dem Wunsch durchsetzen, die Havelchaussee abends ab 19 Uhr zu sperren - um die Kröten in ihrer Wanderzeit zu schützen. Die - SPD-geführte - Verkehrsverwaltung lehnte den Wunsch ab. "Man dürfe den Wirten nicht die Gäste wegnehmen" hieß es. Strikt gegen eine Sperre sind die Gastronomen. "1989 hatte ich 35 Prozent weniger Umsatz", sagt Thomas Bode, der seit 1985 den Grunewaldturm bewirtschaft.

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