Berlin : Spiel mit dem Messer

Morgen zeigt die ARD den umstrittenen Film „Wut“ Der Berliner Max Eipp hat das Drehbuch verfasst

Sebastian Leber

Der eine Jugendliche ist Türke. Er verkauft Drogen am Kottbusser Tor, klaut, schlägt, tritt, benutzt Schimpfwörter wie „Spast“ und „Hurensohn“, bricht nachts in fremde Gärten ein und spielt am liebsten mit seinem Messer. Der andere Jugendliche ist Deutscher. Er spielt Cello.

„Wut“ zeigt Migranten als Täter und Deutsche als Opfer. Eigentlich sollte der Spielfilm gestern um 20.15 Uhr in der ARD laufen. Nach kritischen Presseberichten wurde er kurzfristig auf den späten Freitagabend verlegt – offiziell aus Jugendschutzgründen.

„Schade ist das“, sagt Max Eipp. Der Berliner hat das Drehbuch geschrieben und findet, dass der Prime-Time-Sendeplatz besser gepasst hätte. Schließlich sei „Wut“ ein „Familienfilm“, einer, den Eltern mit ihren Kindern anschauen und diskutieren sollten. Denn er beschreibe eine Realität, die Jugendliche auf der Straße erlebten und die viele Erwachsene nicht wahrhaben wollten. „Ich selbst habe mich auch lange gesträubt, diese Wirklichkeit anzuerkennen.“

Max Eipp ist ein Linker. In den 70ern in der Frankfurter Spontiszene aktiv, später bei den Demos gegen die Startbahn West dabei. Anfang der 90er hatte er Sympathien für die „Turkish Power Boys“, eine Frankfurter Jugendbande. Weil die als Minderheit Stärke zeigten. Nicht glauben wollte Eipp, als Jahre später, inzwischen in Hamburg, sein jugendlicher Sohn über gewalttätige Türken schimpfte. „Was der so von sich gab, war eindeutig ausländerfeindlich.“ Da hat Eipp gegengeredet, versucht, mit Argumenten zu überzeugen. „Irgendwann hat mich doch gewundert, warum mein Sohn so vehement seinen Standpunkt vertreten hat.“ Und dann hat er zugehört – und eingesehen, dass Migranten auch Täter sein können. Die Erlebnisse seines Sohnes hat Eipp verfilmt. Zumindest in Grundzügen, so dramatisch wie im Film ging es im Leben nicht zu. Obwohl die Drehorte in Kreuzberg und Prenzlauer Berg lagen, ist „Wut“ kein Berlin-Film im engeren Sinn.

Die kritischen Stimmen der letzten Tage hält Eipp aus. Auch wenn einige Vorwürfe absurd sind. Etwa der, „Wut“ sei eine schlechte Kopie des Neukölln-Films „Knallhart“. Als Eipp von dem Detlev-Buck-Projekt erfuhr, war „Wut“ bereits abgedreht. Und zu einseitig findet der Autor seinen Film auch nicht. „Die gezeigten Deutschen machen in fast jeder Szene Fehler.“ Tatsächlich ist es am Ende der Vater des bedrohten Deutschen, der das schwerste Verbrechen des ganzen Films begeht. Von Problemthemen hat Eipp erstmal genug. Als Nächstes möchte er eine „schöne, richtig sentimentale Liebesgeschichte“ schreiben.

„Wut“, Freitag, 22 Uhr, ARD

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