Berlin : Spiele der Neuzeit

Das Fahrrad wird zum Polopferd, der Golfball muss in die Mülltonne. Für alle, denen Grillen und Kicken zu langweilig ist, bietet Berlin ungeahnte Möglichkeiten.

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Putten für Große. Beim Disc-Golf muss die Frisbee in den Korb. Foto: Thilo Rückeis
Putten für Große. Beim Disc-Golf muss die Frisbee in den Korb. Foto: Thilo Rückeis

CROSSGOLF

Kein Golfplatz, keine Klubmitgliedschaft, kein elitäres Gehabe. Hier benötigen Spieler lediglich ein paar alte Schläger, gut gelaunte Freunde, genügend menschenleeren Raum und ein Ziel – zum Beispiel einen Baum oder einen Mülleimer. Schon kann abgeschlagen werden, zum Beispiel neben der Sandgrube nahe dem Teufelssee im Grunewald, am ehemaligen Güterbahnhof in Pankow oder auf dem Tempelhofer Feld. Abenteurer können auch in alten Industrieanlagen oder leer stehenden Gebäuden spielen. Wer zügig lernen will, wie er die weiße Murmel präzise platziert, nimmt sich Trainerstunden auf einer Driving Range. Infos auf www.berlin.crossgolf.de, www.crossgolfer-berlin.de.

KITELANDBOARDEN

Der Kite hoch oben in der Luft zerrt am Körper, beide sind nur durch ein paar Schnüre und ein Trapez verbunden. Jetzt nur keine falsche Bewegung machen, um nicht in die Höhe katapultiert zu werden. Also langsam aufs Landboard – ein Skateboard mit großen Geländerollen und Bindung – steigen, den Drachen in Sinuskurven in Fahrtrichtung lenken und losfahren. „Manche Anfänger fahren schon nach zwei Stunden die ersten Meter“, sagt Kitelehrer Tim Retzlaff von der Berliner Kiteschule (www.berliner-kiteschule.de), der Kurse gibt auf dem Tempelhofer Feld. „Das ist ein actionreicher Sport, der nie langweilig wird“, sagt Retzlaff. Könner wirbeln irgendwann meterhoch durch die Lüfte  – und zwar gewollt.

STREETWINDSURFEN

Wem das Kitelandboarden zu gefährlich ist, kann erst einmal das Streetwindsurfen ausprobieren. Ein herkömmliches Windsurf-Segel wird auf einem speziellen Mastfuß für Longboards und Landboards montiert und schon klappen auf dem Asphalt Tricks, die beim letzten Urlaub im Meer noch undenkbar schienen.

BIKEPOLO

Polo ist der Sport des Adels und der Pferde. Einige Berliner setzen sich aber lieber auf den Drahtesel und versuchen dann, den Ball mit speziellen Schlägern ins Tor zu befördern. In der Stadt gibt es drei Spielstätten: die Rennbahnstraße 56 in Weißensee, der „Katzenkäfig“ an der Petersburger Straße/Ecke Straßmannstraße in Friedrichshain und die Lehrter Straße 58 in Moabit am Poststadion – da gibt es sogar ein Dach und Flutlicht. Infos: www.berlin-bikepolo.de.

DISC GOLF

Hier sind Genauigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen – und natürlich Technik gefragt. Bei der Trendsportart, die auch Basketball-Frisbee heißen könnte, müssen Spieler die Frisbee-ähnliche Scheibe von einem Startpunkt (Tee) mit möglichst wenigen Würfen in einem Fangkorb versenken. Einen festen Parcours gibt es dafür noch nicht. Im Volkspark Rehberge in Wedding treffen sich regelmäßig Berliner Disc Golfer, dort gibt es auch zwei Körbe nahe der Transvaalstraße. Wer improvisiert, sucht sich einfach eine freie Fläche und zielt auf Bäume oder Mülleimer. Infos auf www.discgolf- berlin.de.

STAND UP PADDLE

Lautlos gleitet das Surfbrett über die Spree, Treptower Park und Rummelsburger Bucht ziehen vorbei. Beim Stand Up Paddle, kurz SUP, steht man auf einem übergroßen Surfbrett und paddelt sich vorwärts. Wer die Natur der Berliner Seen und die außerstädtische Spree mal aus einer anderen Perspektive entdecken und dabei den ganzen Körper trainieren möchte, benötigt Kraft und eine gute Balance. Fortgeschrittene deponieren für die Pause gleich einen Picknickkorb auf dem Brett oder nehmen den Hund mit. Zwischendurch erfrischt ein Sprung ins Wasser. Kurse gibt’s zum Beispiel bei www.windsurfing-berlin.de.

BUILDERING

Weil ihnen Kletterhallen zu langweilig und die großen Berge zu weit weg sind, suchen sich Kletterfans mitten in Berlin Objekte zum Erklimmen. Einige Extremsportler haben sogar die in der Spree stehende Skulptur „Molcecule Men“ bestiegen. Weil das Erklettern öffentlicher oder privater Gebäude und Bauwerke aber strafbar sein kann, empfehlen sich legale Spots wie der alte Flakbunker im Volkspark Humboldthain, der Kletterturm am Nordende des Mauerparks oder die Boulderfelsen im Volkspark Friedrichshain. Infos unter: www.klettern-in-berlin.de

MOUNTAINBIKE-DOWNHILL

Sie treten mit voller Kraft in die Pedale, rasen an Bäumen vorbei, springen meterweit über selbst gebaute Schanzen. Die Berliner Downhill-Fahrer toben sich auf der einzigen offiziellen Strecke Berlins in den Müggelbergen aus. Der 800 Meter lange Track nahe dem Müggelturm wird vom Verein Downhill Berlin gepflegt. Gäste können sich mit Helm und Schutzausrüstung an Wochenenden für zwei Euro auf die Strecke wagen. Infos auf www.downhill-berlin.de. Beliebt ist auch die mit Steilkurven und Sprüngen gespickte, aber inoffizielle Strecke am Nordosthang des Teufelsbergs, er beginnt an der alten Radarstation und führt durch die Holzbrücke hindurch.

CROSSBOCCIA

Ob im schattigen Grunewald, auf dem Alexanderplatz oder vom Balkon über eine Wand auf den Hinterhof: Crossboccia funktioniert nahezu überall und eignet sich deswegen hervorragend als Zeitvertreib für zwischendurch. Denn im Gegensatz zum klassischen Kugelspiel aus dem Mittelmeerraum, wo mit harten und glatten Kugeln gespielt wird, bleiben die weichen Crossboccia-Bälle nach dem Landen liegen. Das Ziel bleibt aber das gleiche wie bei Boccia, Boule und Pétanque: Den Ball möglichst nahe an der kleinen Kugel zu platzieren.

JUGGER

Sieht ganz schön martialisch aus, wenn die Spieler mit den großen Kampfstangen auf sich zurennen und um den Hundekopf kämpfen. Das Spielgerät mit dem bestialischen Namen ist allerdings nur Ball, der aussieht wie ein hundeschädelähnlicher Ball. Einen Punkt bekommt, wer den in einer speziellen Vorrichtung platziert. Wer auch mal ein neuzeitlicher Rugbygladiator sein möchte, probiert das am besten auf dem Tempelhofer Feld oder im Volkspark Friedrichshain. Dort trainieren auch die Berliner Teams. Infos auf www.jugger-berlin.de

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