Berlin : Sportgeschäft muss weichen: "Ski Hütte" klagt gegen drohenden Haus-Abriss

Cay Dobberke

Das traditionelle Sportgeschäft "Ski Hütte" an der Kantstraße / Ecke Joachimstaler Straße soll einem neuen Bürohaus weichen - aber Inhaber Jürgen Merker weigert sich hartnäckig. Er hat jetzt eine Klage eingereicht, um den 1999 vereinbarten Abschluss eines zehnjährigen Mietvertrags durchzusetzen. Die Verhandlung beim Landgericht ist für den 24. Januar geplant. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein neuer Streitpunkt an Gewicht: Seit Donnerstag ist die Schaufensterfront an der Joachimstaler Straße komplett von Baugerüsten und Planen verdeckt.

Merker argwöhnt, dass es sich um eine reine Schikane handele, um ihn "in den Ruin zu treiben". Sein Anwalt will am Montag vor Gericht eine einstweilige Anordnung gegen die Verhüllung beantragen. Hauseigentümer Rüdiger Heims spicht dagegen von nötigen Ausbesserungen, die in etwa zehn Tagen beginnen würden. Es seien bereits Fassadenteile herunter gefallen. Ob dies zutrifft, ist unklar: Die Charlottenburger Bauaufsicht weiß nichts von bröckelnden Mauern, hält es aber trotzdem für möglich, dass es die Schäden gibt.

Den Kampf ums Verbleiben in dem sanierungsbedürftigen Altbau muss Merker allein führen. Große Teile des fünfstöckigen Hauses stehen leer, unter anderem schlossen das Restaurant "Schnitzelparadies" an der Kantstraße und das Kino "Olympia". Außer dem Sportgeschäft gibt es jetzt noch den "Tanz-Palast", der gesellige Veranstaltungen für ältere Menschen bietet, eine Wechselstube und ein Fotogeschäft. Diese drei Mieter haben jedoch kurzfristige Verträge und wurden schon gekündigt. Sie sollen Mitte des kommenden Jahres ausziehen.

Die Chancen der "Ski Hütte" beurteilen Mieter und Vermieter höchst unterschiedlich. Laut Hauseigentümer Heims nutzt das Geschäft seine Räume "unerlaubt"; es gebe keinen gültigen Vertrag. Merker meint dagegen, einen Vertrag für die kommenden zehn Jahre beanspruchen zu können. Dieses Recht leitet er aus Schreiben vom Sommer 1999 ab, in denen ihm der Vermieter eine entsprechende Vereinbarung in Aussicht gestellt hatte. Außerdem, so Merker, gelte bis Ende 2007 ein alter Vertrag des Vormieters.

Der 62-jährige und seine Ehefrau hatten den Laden im vorigen Jahr vom Sohn des Firmengründers übernommen. Die "Ski Hütte" war 1924 als erstes Berliner Sportfachgeschäft an der Jüdenstraße in Mitte entstanden und gehörte 1936 zu den Ausstattern der Olympischen Spiele. Das Stammhaus existiert nicht mehr; das Haus nahe dem Zoologischen Garten eröffnete vor 55 Jahren. 1995 wurde Merker dort Geschäftsführer. Der Kauf des Ladens kostete dann rund 1,2 Millionen Mark. Den aufgenommenen Kredit werde er erst in einigen Jahren abgezahlt haben, sagt Merker.

Von einer Schließung betroffen wären 18 Mitarbeiter, darunter fünf Lehrlinge. Der Vermieter beauftragte unterdessen einen Makler damit, Ersatzstandorte zu suchen. Zu den Angeboten gehören Räume in der Passage des so genannten Bikini-Hauses an der Budapester Straße. Merker hält aber nicht nur die geforderte Miete von 150 Mark je Quadratmeter für zu hoch. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht", meint er. Nur am bisherigen Standort könne er sich seiner Stammkundschaft sicher sein, zu der er Franziska van Almsick, Artur Brauner und Rolf Eden zählt. Außerdem ziehe das gegenüber liegende "Karstadt sport"-Kaufhaus viele Kunden an, die auch zu ihm kämen.

Auf politischer Ebene scheint der Weg zum Abriss des Altbaus geebnet. Wie berichtet, fand ein Antrag der Grünen zur Erhaltung keine Mehrheit im Charlottenburger Bauausschuss. Das Thema soll allerdings nochmals beraten werden, bevor die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) darüber beschließt. Eine Tochterfirma der Landesbank Hessen-Thüringen will das Grundstück kaufen, um ein achtstöckiges Bürohaus namens "City Light House" zu bauen.

Sollte die "Ski Hütte" vor Gericht siegen, müssten die Investoren ihre Pläne wohl aufgeben. Denn auch in diesem Fall gilt der Rechtsgrundsatz: "Kauf bricht nicht Miete."

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