Berlin : Sprachregelung: Reinheitsgebot für Beamtendeutsch

wie

In Berlin genießt das Beamtendeutsch ab sofort einen besonderen Schutz vor fremdsprachlichen Einflüssen. Nach einer neuen Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Verwaltung, die der Senat am Dienstag verabschiedete, ist die Verwendung von Fremdwörtern in den Amtsstuben der Stadt künftig nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

"Fremdsprachliche Ausdrücke (auch aus dem angelsächsischen Sprachraum) sind grundsätzlich nur zu verwenden, soweit es aus fachlichen Gründen unumgänglich ist und die Verständlichkeit insbesondere gegenüber dem Bürger nicht beeinträchtigt wird", heißt es in einem entsprechenden Passus der neuen Verordnung. Statt Fremdwörter einfach zu übernehmen, müssen sich Berliner Beamte künftig auch als Dolmetscher bewähren, "wenn geeignete deutsche Wörter vorhanden sind oder solche bei neuen Sachverhalten aus vorhandenen Wortfeldern ohne besondere Schwierigkeit gebildet werden können".

Wie die Senatsinnenverwaltung am Mittwoch mitteilte, folgte der Senat mit der neuen Sprachregelung dem Vorschlag von Innensenator Eckart Werthebach (CDU), der im Februar ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache in der öffentlichen Verwaltung gefordert hatte. Der Öffentliche Dienst trage eine "wichtige Verantwortung für den Bestand und die Weiterentwicklung der deutschen Sprache", erklärte Werthebach am Mittwoch.

Von der neuen Regelung erhofft sich der Innensenator auch ein verbessertes "Verhältnis des Staates zu seinem Bürger, der zur Wahrung seiner Rechte auf Klarheit und Verständlichkeit in der Sprache angewiesen ist". Noch im Februar war Werthebach mit seinem Vorschlag zur Reinerhaltung der deutschen Amtssprache auf breite Kritik gestoßen. SPD, PDS und Grüne hatten seine Anregung zu einem Sprachschutzgesetz einhellig abgelehnt. "Der Innensenator macht sich mit diesem Vorschlag lächerlich", erklärte SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit.

Auch das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache hatte Zweifel geäußert. "Mit Sprachgesetzen und Verdeutschungsangeboten ist den Motiven für den Gebrauch von Anglizismen nicht beizukommen", schrieb Institutsdirektor Gerhard Stickel dem Senator.

Dieser Auffassung schließt sich auch die Vizepräsidentin der Freien Universität, die Sprachwissenschaftlerin Gisela Klann-Delius, an. "Sprachen entwickeln sich dynamisch weiter." Mit einem Gesetz könne man dies nicht verhindern.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben