Berlin : Spree: Dem Fluss geht das Wasser aus

Eigentlich könnte Christian Wolter vom Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei zufrieden sein. In den vergangenen zehn Jahren ist die Schadstoffbelastung der Spree spürbar zurückgegangen. Doch Wolter mag sich damit nicht zufrieden geben. Alle Welt rede nur von der Wasserqualität, zürnt er, dabei gebe es andere Faktoren, die für die Ökosysteme genauso wichtig sind. Die Tiere bräuchten ein "Mosaik von flachen und tiefen, von schnell und langsam fließenden Flüssen, doch die Spree wird immer monotoner". Und obendrein kleiner, weil Millionen Kubikmeter in den stillgelegten Lausitzer Braunkohlegruben versickern.

Jahrzehntelang wurde die Spree durch die abgepumpten Grundwasser der riesigen Tagebaue gespeist. Mittlerweile ist ein Großteil von ihnen dicht, andere Energieträger sind billiger und umweltschonender. Nun werden die Restlöcher mit Spreewasser geflutet, eine gigantische künstliche Seenlandschaft entsteht in der Lausitz. 25 größere Gewässer mit einer Fläche jeweils von 250 bis 1000 Hektar sollen irgendwann die Lausitzer Kulturlandschaft bestimmen. Auf über 12 000 Hektar kann der Wind dann die Wellen peitschen, eine Fläche, größer als die Müritz in Mecklenburg.

Doch das Wasser für die Flutung fehlt dem Fluss. Wolter rechnet damit, dass es mindestens 50 Jahre dauert, bevor das Defizit ausgeglichen ist. Bis dahin werde Spreewasser knapp sein. Dietrich Jahn, verantwortlich für wasserwirtschaftliche Grundlagen beim Senat, wehrt sich gegen Horrorszenarien. "Wir nähern uns nur den natürlichen Zuständen", sagt er. Geringe Durchflüsse von einem bis fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde habe die Spree in Sommerzeiten in Berlin vor dem Beginn des Braunkohleabbaus in der Lausitz etwa alle zehn Jahre aufgewiesen. Berlin werde keinesfalls verdursten. Zudem wird das Stauhaltungssystem der Spree weiter ausgebaut. Es gewährleiste eine ausreichende Versorgung Stadt, sagt Jahn.

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