Spuren der Geschichte in Berlin : Bunkeranlage in Tiergarten wird gesprengt

Neben dem Café am Neuen See gibt es noch eine Bunkeranlage – jetzt soll sie abgerissen werden. Der Betrieb geht fast uneingeschränkt weiter.

Julica Osterhage
Alter Beton. Vor dem Café am Neuen See läuft der Abriss.
Alter Beton. Vor dem Café am Neuen See läuft der Abriss.Julica Osterhage

Presslufthämmer dröhnen und Bagger lärmen, wo sonst idyllische Tiergartenruhe herrscht: Am „Café am Neuen See“ laufen derzeit Abrissarbeiten. Rechts und links vom Eingang, an dem ein großes Schild daran erinnert, dass zwischen 12:30 und 14 Uhr geschlossen ist, stehen zwei Gebäude, die nun weg sollen. Was wohl die wenigsten Gäste wissen: Die Bauten sind eine ehemalige Bunkeranlage.

„Sie passt nicht mehr und wird ersetzt“, sagt Restaurantleiter Jonathas Pittelli. Gearbeitet wird bei laufendem Restaurantbetrieb. „Um 9 Uhr wird wie immer geöffnet“, sagt Pittelli. Bis zum Start der Biergartensaison soll der Abriss beendet sein.

Sprengung mit geringer Erschütterung

Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun: Teile der Bunkeranlage müssen sogar gesprengt werden. Dafür wurde ein Verfahren gewählt, das relativ erschütterungsfrei sein soll, betont der zuständige Bauingenieur Christoph Halter. Und Krach gibt es vor allem, wenn die Löcher für die Sprengstoffkartuschen gebohrt werden. In denen befindet sich wiederum eine Treibladung, die kontrolliert gezündet wird und den Beton zerstört. Gefahr für Passanten oder andere Gebäude in der Nähe bestehe nicht, versichert Halter.

Eingeschränkte Öffnungszeiten für das Café

Im Café selbst ist von den Bauarbeiten tatsächlich kaum etwas zu hören. Aus den Lautsprechern kommt Musik, ein Kamin verbreitet wohlige Wärme. Ab Freitag, dem 17. Februar, bleibt das Café für etwa drei Wochen vormittags für kurze Zeit geschlossen – damit niemandem wegen der Sprengungen nebenan vor Schreck die Tasse aus der Hand fällt.

Wo es in der Stadt noch Bunker gibt:

Spandau: Bunker im U-Bahnhof Siemensdamm

Steglitz-Zehlendorf: Bunker im Eiderstedter Weg 34, Hochbunker von 1940 in der Eiswaldtstraße 17 in Lankwitz, Hochbunker zwischen der ehemaligen Reichsluftschutzschule und dem Krankenhaus Heckeshorn (Am Großen Wannsee 80)

Kreuzberg: Anhalter Hochbunker in der Schöneberger Straße 23 - derzeit mit Ausstellung "Dokumentation Führerbunker"

Schöneberg: Fernmeldebunker aus der Mitte der vierziger Jahre (Pallasstraße 28–30)

Gesundbrunnen: Zivilschutzanlage am U-Bahnhof Pankstraße; Reste eines Hochbunkers mit vier Ecktürmen und des dazugehörigen Leitturms aus den frühen vierziger Jahren im Norden des Volksparks Humboldthain, nahe dem Bahnhof Gesundbrunnen

Friedrichshain: Zwei Schutthügel im Volkspark Friedrichshain, die aus den Bunker- und Flakturmsprengungen im Jahr 1946 hervorgingen

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben