Berlin : Staatsanwaltschaft: Keine Pannen im Fall Lars P.

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Von Frank Jansen

und Ralf Schönball

Die Staatsanwaltschaft wehrt sich: Er weise alle Vorwürfe zurück, im Fall des erhängt aufgefundenen Lars P. sei schlampig ermittelt worden, sagte am Freitag der Sprecher der Justizverwaltung, Sascha Daue. Das Fernsehmagazin „Kontraste“ und die „Berliner Morgenpost“ hatten in den vergangenen Tagen berichtet, die Staatsanwaltschaft habe sich bei der Aufklärung des mysteriösen Todes des ehemaligen EDV-Chefs der Immobilienfirma Aubis mehrere Pannen geleistet. Aubis ist in die Affäre um die Bankgesellschaft verwickelt. Der 32 Jahre alte Lars P. war, wie berichtet, Ende September 2001 an einem Baum hängend im Grunewald gefunden worden. In den Wochen zuvor soll Lars P. versucht haben, belastendes Material über Aubis-Geschäfte an einen Anwalt der Berlin Hyp, einer Tochter der Bankgesellschaft, zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts, P. habe nicht Selbstmord begangen, sondern sei von einem Unbekannten getötet worden. Das Verfahren gegen einen in Verdacht geratenen türkischen Kampfsportler hat die Staatsanwaltschaft allerdings im April eingestellt.

Laut „Kontraste“ und „Morgenpost“ haben Ermittler die Wohnung von P.’s Freundin im Dezember 2001 durchsucht, aber 120 Disketten mit Aubis-Daten nicht mitgenommen. Außerdem hätten die Beamten bei einem Freund von P. ein Handy übersehen, auf dem 42 SMS-Texte mit zum Teil brisanten Inhalt gespeichert gewesen sein sollen. Demnach lautete eine SMS: „Wer soll Dich killen?“ Neun Tage, bevor Lars P. starb, hatten Aubis-Anwälte per Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft erfahren, dass der frühere Angestellte über möglicherweise belastende Unterlagen verfügte. „Eine Schwärzung der Personalien wäre gesetzwidrig gewesen“, sagte Daue. Anwälte hätten ein umfassendes Recht auf Akteneinsicht.

Unterdessen scheint die Bankgesellschaft weit entfernt von einer Lösung ihrer Probleme zu sein. Das für Controlling zuständige Vorstandsmitglied Norbert Pawlowski räumte am Freitag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Bankenaffäre große Schwierigkeiten in der Kontrolle riskanter Geschäfte ein. Die elektronische Überwachung der Bankgeschäfte funktioniere auch gegenwärtig nicht überall im Konzern. Wie es zur explosionsartigen Zunahme der drohenden Verluste bei den Geschäften der Bankgesellschaft mit Immobilienfonds kam, konnte Pawlowski nicht erklären.

Die Gefahr, dass die Rechnung für den Steuerzahler noch höher wird, ist nicht gebannt. Das Land Berlin wird auch für die künftigen Geschäfte des Kreditinstituts gradestehen müssen. Das Abgeordnetenhaus hatte der Bankgesellschaft vor kurzem eine Übernahme von Risiken in Höhe von rund 21 Miliarden Euro aus dem Not leidenden Immobliengeschäft zugesagt.

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