Berlin : Stadt im Rechteck

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Von Andreas Conrad

Die Christel sang im „Vogelhändler“ noch lauthals „Denn bei der Post geht’s nicht so schnell“, und jeder hat ihr heftig nickend zugestimmt. Die Beschleunigung des europäischen Postwesens muss dann kurz nach dem Krieg in einem französischen Dörflein gestartet sein. Jacques Tati schilderte in seinem „Schützenfest“ den Einbruch des Amerikanismus in die Beschaulichkeit des Landlebens, dies unter besonderer Berücksichtigung der Briefmarke: „Rapidité, rapidité!“ Das Strampeln des Dorfbriefträgers auf dem Dienstfahrrad wurde so zum Inbegriff der neuen Zeit. Die haben wir jetzt, und in der Regel dauert eine Karte nur einen Tag, bis sie den Bestimmungsort erreicht, jedenfalls im Inland. Dennoch haftet ihr nach wie vor etwas Altmodisches an, sie ist wohl noch immer die Regel beim Transport von Urlaubsgrüßen, aber besonders hip, cool oder was auch immer ist sie nicht. Abhilfe tut da not, und tatsächlich, sie naht in rechteckiger Form: die CDPostkarte. Die Adresse muss man auf ihr immer noch selbst notieren, und wer wirklich nichts Besseres zu tun hat, kann sogar weiterhin einen handgeschriebenen Gruß daneben setzen. Zwingend ist es nicht, und kein Empfänger muss sich bei Verzicht darüber beklagen. Es gibt schließlich die herausnehmbare Berlin-CD, die jede Schwärmerei über die besuchte Hauptstadt künftig ersetzt. Die schönsten Plätze, die lauschigsten Winkel – alles da, wie es werbend heißt. Auch gibt es Links zu diesem und jenem, der hiesigen Werbeindustrie stehen ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung. Eine junge Schweizer Firma hat die Karte entwickelt, in Berlin wird sie deutschlandweit erstmals angeboten, im Europacenter, am Bahnhof Zoo bei „Card & Co“, im Fernsehturm und einem halben Dutzend weiterer Verkaufsstellen. Das Plastik lässt sich sogar recyclen.

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