Berlin : Stadtbesichtigung in Badehosen

Lothar Heinke

Das Palasthotel in Mitte wird abgerissen, ein neues Luxushotel gebaut - mit Schwimmbad auf dem DachLothar Heinke

Nun scheint es doch ernst zu werden: Das ehemalige "Palast"-Hotel an der Karl-Liebknecht-Straße soll abgerissen werden. Dafür entsteht ein Komplex mit vier Gebäuden: Hotel, Büros und Wohnungen. Attraktion soll eine öffentlich zugängliche Badelandschaft im obersten Geschoss des Hotels sein - man kann also gewissermaßen in der Badehose und aus dem Schwimmbassin heraus den Anblick der Kuppel des Berliner Doms gegenüber genießen. Schon der Weg ins nasse Bassin wird ziemlich ungewöhnlich, er führt mit einem Fahrstuhl mitten durch ein dreißig Meter hohes Aquarium mit lebenden Fischen und einer - nachgebauten - Unterwasserlandschaft im Foyer des neuen Hotels. Das gesamte Projekt soll 870 Millionen Mark kosten und im Herbst des Jahres 2003 fertig sein.

Geplant wird das Ganze durch die Deutsche Immobilien Fonds AG (DIFA), der seit 1994 das 17 161 Quadratmeter große Grundstück am Ufer der Spree gehört. Angelehnt an die direkten Nachbarn - Dom und Spree - wurde, offenbar weit ab vom Schuss, in der DIFA-Zentrale in Hamburg, der uneingängige, komplizierte Name "DomAquarée" erdacht. Zu dem Ensemble gehören vier Gebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 57 000 Quadratmetern. Das Hotel soll zur Vier-Sterne-Kategorie gehören und 408 Zimmer haben, es grenzt mit seiner Vorderfront an die Karl-Liebknecht-Straße und liegt direkt an der Spree. Man kann nur hoffen, dass dennoch der bisherige Uferweg unbebaut bleibt und auch weiterhin den Spaziergängern in Berlins Mitte zur Verfügung steht.

An der Ecke der Karl-Liebknecht- und Spandauer Straße liegt ein Bürogebäude, direkt daneben eine Tagesklinik in der "Spandauer". Unmittelbar an der Spree soll das vierte Gebäude für 105 Wohnungen gebaut werden. "Die viergliedrige Bebauung lässt zwischen den Gebäudeteilen Raum für eine Durchquerung des Areals in allen vier Himmelsrichtungen", teilt die DIFA mit. Parallel zur Spree, zwischen den Gebäuden, entsteht eine überdachte Passage, die den Namen "Heiliggeist-Gasse" in Anlehnung an die benachbarte Heiliggeist-Kapelle tragen soll. In den Erdgeschossen aller vier Gebäude wird es Geschäfte geben.

Wann das derzeitige SAS Radisson Hotel abgerissen wird, steht noch nicht fest. Die DIFA sagt, man möchte damit im Herbst beginnen, aber den Hotelbetrieb so lange wie möglich weiter aufrecht erhalten, "wahrscheinlich bis Spätsommer/Herbstbeginn 2000". Im Hotel hat man sich an die Abriss-Meldungen schon derart gewöhnt, dass sie keinen mehr schrecken. "Bei uns können Sie für die nächsten Monate weiterhin Zimmer buchen oder Konferenzen veranstalten", sagt Pressesprecherin Silke Oberschachtsiek, am 11. Mai wird im Panoramagang eine Kunstausstellung eröffnet.

Das SAS war zwischen 1976 bis 1979 unter der Gesamtleitung von Ehrhardt Gißke nach einem Entwurf von Ferenc Kiss erbaut worden. Als "Devisenhotel" beherbergte es Kunden, die aus dem "kapitalistischen Ausland" kamen und mit frei konvertierbarer Währung, also mit Westgeld, zahlten. Das Palasthotel schräg gegenüber dem Palast der Republik hatte 600 Zimmer mit 1000 Betten und beherbergte neben Geschäftsleuten Freunde und Verwandte von Ost-Berlinern, die sich allenfalls vom West-Onkel mit Bundespass eine Tageszeitung, den "Stern" oder den "Spiegel" an der Rezeption kaufen lassen durften.

In einigen Restaurants wurde - ebenso wie im beliebten "Intershop" - nur mit harter Währung bezahlt, andere Bereiche waren für jedermann offen und sehr beliebt, so das Café mit einem romantischen Terrassenblick hinüber zum Dom. Im hinteren Teil des Hotels gab es einen viel genutzten Kongressbereich - dieser Komplex fiel bereits vor Jahren der Abrissbirne zum Opfer.

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