Stadtentwicklung in Berlin : Bau schau wem

Experten und Politiker diskutierten im Tagesspiegel, wie der Wohnraum der Zukunft aussehen kann. Dabei ging es besonders auch um die umfangreichen Neubaupläne des Berliner Senats.

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Berlin - Die Miet- und Wohnungspolitik „ist eine Kernaufgabe dieses Jahrzehnts“ – so steht es in einem „Zukunftspapier“ der Berliner SPD, und so sieht es auch Geschäftsleitungsmitglied Steffen Keller von der Berliner Bank. Der geplante Bau zehntausender neuer Wohnungen sei notwendig, zumal bedarfsgerechter Wohnraum auch für die Wirtschaft einen wesentlichen Standortfaktor darstelle, sagte Keller am Dienstagabend bei der Podiumsdiskussion „Innovatives Bauen in der Großstadt“. Dazu hatten die Berliner Bank und der Tagesspiegel in ihrer Reihe „Zukunftsdialog“ ins Verlagshaus am Askanischen Platz eingeladen.

Steigende Mieten könnten die Zuwanderung von Fachkräften bremsen, warnte Keller. Angesichts des relativ niedrigen Durchschnittseinkommens müsse „Wohnen in Berlin billiger sein“ als in anderen deutschen Großstädten. Keller forderte, Baugenehmigungen innerhalb von sechs Monaten zu erteilen; Fristen von bis zu eineinhalb Jahren seien „definitiv zu lang“. Auch Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, verlangte weniger Bürokratie.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wies auf Pläne hin, den Wohnungsbau durch eine Leitstelle in seiner Verwaltung und mehr Personal in Bauämtern zu beschleunigen. Auf Nachfrage des Moderators und Tagesspiegel-Herausgebers Gerd Appenzeller betonte Müller, es gehe nicht nur um Toplagen in der Innenstadt; alle Bezirke böten eine komplette Infrastruktur. Eine Nutzungsmischung strebe man etwa auch für das Tempelhofer Feld an. „Monokulturen“ seien passé.

Auch nach Meinung von Florian Mausbach, Ex-Präsident des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, sollten „Wohnen, Kultur und Freizeit näher zusammenrücken“. Hardy Rudolf Schmitz vom Technologiepark Adlershof erläuterte den dort geplanten Bau von bis zu 1200 Wohnungen. Dabei werde das Konzept des „Ambient Assisted Living“ umgesetzt. Gemeint ist Haustechnik, die sich an Bedürfnisse der Bewohner anpasst und diesen bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Ein Spezialist dafür ist Dirk Fabarius, Gründer des Projekts „E-Wohnen“. Aber Konzepte für Nischenmärkte seien teuer, sagte er, erst ein „flächendeckender Einbau“ senke die Kosten innovativer Techniken. Deshalb müsse mehr dafür geworben werden. Cay Dobberke

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