Stadtentwicklung : Zwillingsturm soll 2016 in der City West eröffnen

Auch in das zweite 118-Meter-Hochhaus am Breitscheidplatz zieht als Hauptmieter ein Hotel. Anders als im benachbarten „Zoofenster“ geht es aber nicht um Luxus: Die Budget-Kette Motel One plant ihren größten Berliner Standort. Außerdem entstehen Büros, Läden – und vielleicht Mietwohnungen.

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Zeichen setzen. Zwischen Gedächtniskirche (links) und „Zoofenster“ (rechts) entstehen ein Hotel und Büros im 118-Meter-Turm „Upper West“. Ein Vorbau ist auch für Läden gedacht.
Zeichen setzen. Zwischen Gedächtniskirche (links) und „Zoofenster“ (rechts) entstehen ein Hotel und Büros im 118-Meter-Turm „Upper...Simulation: promo

Trotz etwas trüben Wetters freute sich Architekt Christoph Langhof über den „schönen Tag“, auf den er lange warten musste. Bereits 1995 hatte er einen 118-Meter-Turm am Breitscheidplatz entworfen – an der Stelle seines damaligen Büros im Schimmelpfeng-Haus. Die Ecke zwischen Kantstraße und Kurfürstendamm kam ihm damals „vergammelt“ vor. Am Dienstag dagegen war viel vom Aufschwung der City West die Rede: Der Investor Strabag Real Estate stellte mit Langhof und anderen Beteiligten das Hochhaus „Upper West“ vor, dessen Bau nun feststeht. Hauptmieter wird das größte Berliner „Motel One“-Hotel mit 582 Zimmern in 18 der 34 Etagen.

Der Abbruch des Schimmelpfeng-Hauses hat schon begonnen, die größeren Abrissarbeiten starten kommende Woche und dürften vier Monate dauern. In einem Jahr soll die Baugrube fertig sein und im Frühjahr 2014 der Grundstein gelegt werden. Die Fertigstellung des 250 Millionen Euro teuren Projekts ist für Mitte 2016 geplant. Man will 37 000 Kubikmeter Beton vergießen und zeitweilig bis zu drei 190 Meter hohe Kräne aufstellen. Die Kantstraße bleibt am östlichen Ende mit einer Spur pro Richtung geöffnet. Für den Bau des benachbarten Zoofenster-Turms war sie lange gesperrt worden. Mitte Dezember will im Zoofenster, das ebenfalls 118 Meter misst, das Luxushotel Waldorf-Astoria öffnen.

Dagegen ist Motel One eine Budgethotelkette. Am Breitscheidplatz werde es Übernachtungen wohl ab 69 Euro geben, sagte Geschäftsführer Dieter Müller. Als Besonderheit verspricht er eine Lounge mit großer Terrasse in der neunten Etage. Seine Gruppe hat in Berlin bereits 2200 Zimmer in acht Hotels, eines davon steht neben dem Theater des Westens in der Kantstraße. Trotz dieser Nähe zu „Upper West“ will Müller den Standort behalten, die 250 Zimmer seien im Schnitt zu 80 Prozent belegt. Motel One baut auch am Leipziger Platz in Mitte, und noch immer ist Müllers „Hunger nach Hotels in Berlin nicht ganz gestillt“. Wegen der steigenden Touristenzahlen machen ihm selbst die vielen Hotelbauprojekte der Konkurrenz wenig Sorgen.

Über dem Hotel im unteren Teil des Turms sind Büros geplant. In drei bis vier Etagen seien auch Mietwohnungen denkbar, sagte Thomas Hohwieler, Chef der Strabag Real Estate. In der 33. Etage sollen Gäste einer „Skybar“ die Aussicht genießen können. An der Ecke Breitscheidplatz und Ku’damm entsteht ein 37 Meter hohes Riegelgebäude mit Läden in drei Etagen (darunter ein Untergeschoss) und sechs Büroetagen. Zum „Hybridkonzept“ gehört auch eine Tiefgarage. Langhof hat seine Entwürfe etwas geändert, neu ist zum Beispiel die Form eines Zwillingsturms und die helle „Netzstruktur“ der Fassade.

Die Planer sehen einen neuen Trend zu Hochhäusern in Berlin, der auch die unverwirklichten Projekte am Alexanderplatz in Mitte vorantreiben könne. Endlich besitze ein Investor „Kraft und Mut“, lobte der Architekt, der sich an ganz andere Zeiten erinnert: Anfangs habe er mit seiner Hochhaus-Idee „fast einen Spießrutenlauf“ durchgemacht, „alle waren gegen uns“.

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