Stadtleben : 111 Stars aus 111 Jahren

Das Theater des Westens lässt in seiner neuen Ausstellung ein Stück Berliner Geschichte Revue passieren

Heidemarie Mazuhn

Die Premiere war märchenhaft und exotisch. Mit dem Schauspiel „Tausendundeine Nacht“ wurde am 1. Oktober 1896 das Theater des Westens eröffnet. Am gestrigen Abend sollte an der Kantstraße an den 111. Geburtstag mit einer Vernissage erinnert werden, zu der unter anderen der russische Botschafter Vladimir Kotenev, der Schauspieler Vadim Glowna und Schandmaul Desirée Nick als Gäste erwartet wurden.

„111 Begegnungen“ heißt die Sonderausstellung, mit der das traditionsreiche Haus, wie berichtet, sein Schnapszahl-Jubiläum feiert und die großen Akteure seines Bühnenlebens Revue passieren lässt. Die Ausstellungskuratorin Britta Heiligenthal erlebte bei den Vorbereitungen eine Überraschung: Sie wusste zwar, dass es mal eine Großtante gab, die Opernsängerin war. Dass es sich dabei aber um die 1902 in Berlin geborene international bekannte Operndiva Margarete Klose handelte, entdeckte sie erst bei ihren Recherchen für die Ausstellung.

Bei den „ 111 Begegnungen“ trifft man auf die Namen von längst vergessenen Stars wie auf die Unsterblichen: Trude Hesterberg, Josephine Baker, Maria Callas, Paul Hubschmid, Friedrich Hollaender, Richard Strauss, Hildegard Knef oder Marika Rökk. Jeder Name steht für das Theater des Westens und zugleich für ein großartiges Stück Berliner Theatergeschichte.

Tenor Enrico Caruso wurde am 5. Oktober 1904 als Duca di Mantua in „Rigoletto“ erstmals im Theater des Westens gefeiert. Ein Jahr zuvor hatte dort mit Isadora Duncan eine der wichtigsten Mitbegründerinnen des modernen Tanzes einen Gast-Auftritt. Man erfährt, dass „Das Land des Lächelns“ mit Richard Tauber 1930 der „größte Erfolg Berlins“ war, den Rundfunkhörer zum halben Preis besuchen konnten. Man staunt über Kartenpreise von 4,60 Mark, für die man 1903 in der Parkett-Loge saß, im Abonnement für zwei Mark. Und man begegnet nochmals Helmut Baumann in doppelter Funktion – als Künstlerischer Direktor des Hauses von 1984 bis 1999 und als Zaza in „La Cage Aux Folles“ – der legendären Musicalinszenierung aus dem Jahr 1985. Ausgestellt ist auch Baumanns Glitzerrobe als Zaza mit unzähligen Pailletten, jede Einzelne von Hand aufgenäht. Auch was man in der Kantstraße beim aktuellen „Tanz der Vampire“ trägt, wird gezeigt – und wer heute dort von 11 bis 17 Uhr den Tag der offenen Tür besucht, der kann auch durch die gruselige Kulisse des Musicals von Roman Polanski geistern. Heidemarie Mazuhn

Theater des Westens: „111 Begegnungen“, 2. bis 12. Oktober, Die nstag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr, Mittwoch bis 16 Uhr.

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