24. Lange Nacht der Museen : Ritter, Trabbis und Nofretete: Abenteuer zum Mondscheintarif

30.000 neugierige Besucher stürmten die 24. Lange Nacht der Museen Shuttle-Busse waren überfüllt und Führungen im DDR-Museum heiß begehrt.

Eva Kalwa
Trabbi
Der Trabbi im DDR-Museum war einer der Publikumslieblinge. -Foto: ddp

Berlin„Zehn Museen wollten wir schaffen in dieser Nacht - es werden aber nur vier oder fünf“, lacht Shirly, die mit ihren Freundinnen Kerstin und Marike am Lustgarten auf den Bus der Route 2 wartet. Wie fast alle rund 30 000 erwarteten Besucher der Langen Nacht der Museen haben sich auch die drei jungen Frauen dick in Schals und Mützen eingemummt. Ihrer guten Laune können die beißende Kälte und der beginnende Schneefall aber nichts anhaben, schließlich geht es jetzt mit dem Shuttle-Bus zum Museum für Kinder in Prenzlauer Berg. Hier kann man seine eigene Schokolade herstellen. „Bestimmt gibt es dort etwas zu naschen“, freut sich Marike.

Auf der anderen Seite des Lustgartens wird die Menschenschlange vor dem Eingang des Alten Museums kurz nach 19 Uhr immer länger. Alle wollen Nofretetes letzte Lange Nacht im Ägyptischen Museum miterleben, bevor die Büste im Oktober wieder an ihren ursprünglichen Standort im restaurierten Neuen Museum zurückkehrt. Barbara Griessner und Tina Koellner hingegen haben klug geplant: Die Freundinnen waren bereits um 18 Uhr vor Ort und konnten sich ganz in Ruhe sogar noch an einem Heißgetränk wärmen. Beide Frauen wohnen erst seit vier Monaten in der Stadt, die eine kam aus Österreich, die andere aus New York zurück nach Berlin. „Es ist toll, wieder hier zu sein, die Stadt hat etwas Gemütliches“, sagt die Ex-New-Yorkerin Koellner, die nun endlich wieder „ihre“ Museumsnacht besuchen kann.

Im Alten Museum selbst geht es mittlerweile allerdings weniger gemütlich zu, vor allem die Kinderführungen sind sehr begehrt. „Warum hat die Königin Nofretete denn nur ein Auge?“ fragt ein kleiner blonder Junge die Museumsführerin. Claudia Saczecki, eine der insgesamt rund tausend Mitarbeiter in dieser Nacht, beugt sich ein Stück hinunter und erklärt: „Das hat der Künstler gemacht, damit er beim nächsten Mal wusste, wie er das Auge im Innern gestalten muss.“ Das leuchtet den jungen Besuchern ein.

Viele von ihnen kommen gar nicht aus Berlin, sondern aus anderen Gegenden Deutschlands wie die zwei Kinder der Familie Wehling aus der Nähe von Hannover. „Wir sind nur über’s Wochenende in Berlin und haben zufällig von dieser Nacht erfahren“, sagt Mutter Heike. Ihre Kinder, sieben und zehn Jahre alt, nehmen gerade an der „Zeitreise ins Mittelalter“ im Deutschen Historischen Museums teil und lauschen aufmerksam den Geschichten, die Museumsführerin Dana Kresse über Ritter, Turnierkämpfe und Harnische erzählt. Als nächste Station steht dann das Planetarium in der Prenzlauer Alle auf dem Plan, hier will die Familie unter dem Sternenhimmel etwas über die griechischen Sagen hören.

Besonders groß ist der Andrang von auswärtigen Besuchern im DDR-Museum: Zwanzig Jahre Mauerfall haben das Interesse an Berlins Geschichte neu geweckt. Stefan Fehren ist mit seinen Freunden aus Saarbrücken angereist, neugierig begutachten sie den ausgestellten Trabbi. „Und wir möchten natürlich gern den Film über eine originale DDR-Unterrichtsstunde sehen“, sagt Fehren. Dazu wird Glück nötig sein, denn viele der dicht gedrängt stehenden Besucher haben wohl Ähnliches im Sinn.

Wesentlich ruhiger ist es trotz gut besuchter Führungen in der Gemäldegalerie am Kulturforum. Hier sitzt Thomas Faust und genießt fast ganz für sich allein den „Campo di Rialto“ von Canaletto. Er mag die „ungeheure Ruhe“ dieser Räume: „Nicht nur in der Langen Nacht - ich komme immer wieder!“Eva Kalwa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben