Amateurfilme : Ganz private Aufnahmen - öffentlich zu sehen

In den USA gibt es ihn seit einigen Jahren, in Deutschland ist es am Sonnabend zum ersten Mal soweit: Beim Home Movie Day können Amateurfilmer ihre Schätze zeigen. Das Berliner Museum für Film und Fernsehen macht den Anfang.

Andreas Conrad
Deutschland privat
Amateure: Szene aus der Dokumentation "Deutschland privat - Im Land der bunten Träume". -Foto: Cinetext

Der berühmteste Amateurfilm aller Zeiten? Das dürften die Aufnahmen von der Ermordung John F. Kennedys sein, die Abraham Zapruder, Besitzer einer Firma für Damenoberbekleidung in Dallas, mit seiner 8-mm-Kamera zufällig gedreht hatte. Die Bilder des Attentats sind längst im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert.

In Dramatik und historischer Bedeutung ist der kurze Film nur ein besonders exponiertes Beispiel einer breiten Bewegung des privaten Filmschaffens. Meist wird es belächelt, geht es doch bei den Amateurfilmen in der Regel um Banales wie Kindergeburtstage, Urlaubsreisen und Firmenfeste. Gleichwohl dokumentieren diese Filme auch ein Stück kulturelles Erbe, schildern den Alltag ganz normaler Menschen. In mittlerweile 50 Städten auf vier Kontinenten werden sie daher Jahr für Jahr beim Home Movie Day gefeiert, immer am zweiten Wochenende im August. Initiiert wurde dies 2003 von Filmarchivaren, prominente Regisseure wie Martin Scorsese und John Waters machen sich dafür stark. Und erstmals ist nun an diesem Sonnabend auch Deutschland dabei, beim Home Movie Day im Berliner Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz, an dem Amateurfilmer aufgerufen sind, ihre Privatschätze vorzustellen.

„Deutschland privat“ also. So hieß 1980 ein aus Amateuraufnahmen montierter Film Robert van Ackerens, der vor wenigen Monaten eine Fortsetzung in die deutschen Kinos brachte. Ein Interview, das der Berliner Filmarchivar und Filmkritiker Andreas Busche mit dem Regisseur über das neue Sammelwerk führte, wurde dann zur Initialzündung für das Berliner Projekt. Gemeinsam mit dem Museum rufen van Ackeren und Busche die hiesigen Amateurfilmer dazu auf, ihre Schränke, Keller, Dachböden nach ihren Heimkino-Werken zu durchstöbern und sie im Filmhaus vorbeizubringen. Ab 12 Uhr stehen Filmarchivare zur Registrierung bereit und geben Tipps zur Pflege und Aufbewahrung, ab 15 Uhr werden die Filme öffentlich vorgeführt.

„Home Movies sind kulturelle Dokumente von unschätzbarem Wert“, wirbt Andreas Busche, der schon Home Movie Days in London und Chicago mitorganisierte, für die Veranstaltung. „Sie erzählen aus Lebensbereichen, die in der ,öffentlichen‘ Geschichtsschreibung oft nicht genug berücksichtigt werden.“ Aufnahmen auf Video oder in noch neuerer Technik werden nicht gesucht, nur Filme in den Formaten 8 mm, 16 mm und vor allem dem aussterbenden Super 8. Bei diesen Filmen spüre man ohnehin mehr Willen zur Gestaltung, sagt Busche, während neue Techniken zum wahllosen Abfilmen verleiteten. Im Übrigen warnt er davor, das alte Filmaterial auf neuere Bildträger zu überspielen und dann zu entsorgen. Videos oder DVDs seien auf Dauer nicht sicher, anders als Farbfilme, richtige Lagerung vorausgesetzt.

Weitere Informationen unter www.homemovieday.com

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