Audio-Bar : Die Musiktankstelle

Kluges Konzept: In der Kneipe "Breipott“ bekommen die Gäste Songs geschenkt. Denn was gefällt, können sich die Gäste kostenlos auf ihren USB-Stick ziehen und mit nach Hause nehmen.

Patricia Hecht
breipott
Hörbar. Das Musikarchiv der Kneipe in Kreuzberg wächst ständig. -Foto: David Heerde

An der Wand schimmern Hunderte ausrangierter CDs, die roten Sessel laden zum Versinken ein. Der Laden „Breipott“ in der Skalitzer Straße scheint eine ganz normale Bar zu sein. Auf einem Papier an der Wand weist jedoch ein Pfeil nach rechts. „Hier geht es zur Musiktankstelle“, steht darüber. Auch der Nebenraum sieht erst mal nicht spektakulär aus – eher wie ein Internetcafé. Doch was die Gäste dort an den Rechnern tun, können sie in keiner anderen Kneipe der Stadt: Über Kopfhörer wählen sie die Musik aus, die sie gerade hören wollen. Und was gefällt, nehmen sie auf ihrem USB-Stick mit nach Hause. Alles gratis – und alles legal.

Der „Breipott“ ist Berlins erste Bar, in der lizenzfreie Musik zum Runterladen angeboten wird. Die stammt wiederum von sogenannten Netlabels, die wie Plattenfirmen im Internet funktionieren, ihre Musik aber ohne Gewinnabsichten anbieten. „Wir sprechen gezielt Labels an, damit sie uns Songs zur Verfügung stellen“, sagt Breipott-Inhaberin Saskia Peruza. Bisher haben sie so 400 Lieder für ihr Archiv gesammelt – der Gast kann zwischen Rock, Pop und Soul wählen, auch Samba, Reggae und elektronische Musik findet man. Stücke international bekannter Bands sind bisher nicht darunter.

Die Idee zur Audio-Bar kam der 32-jährigen Betriebswirtin mit den weißblonden Haaren vor zwei Jahren. Ein Freund lud sie in Nürnberg in eine Kneipe ein, die an diesem Abend freie Musik spielte. Saskia Peruza entwickelte die Idee weiter. Im Juni eröffnete sie dann zusammen mit einigen Freunden die Bar.

Der Name Breipott leitet sich aus der klanglichen Nähe zu iPod her – und aus der zweiten Besonderheit der Bar: Hier gibt es Reisbrei in allen Variationen. „Unsere Musik und unsere Breis sind kreativ und nicht von der Stange“, erklärt Peruza.

Auch für die Künstler, die ihre Musik lizenzfrei bereitstellen, lohnt sich der Breipott, sagt Peruza: Es ist eine Möglichkeit für junge Künstler, auch außerhalb des Internets bekannt zu werden. „Wir möchten eine freie Plattform für neue Musiktalente sein“, sagt Peruza. Angst, dass ihr Konzept von anderen Barbetreibern geklaut wird, hat sie nicht: „Es wäre toll, wenn wir mit unserer Bar einen Stein ins Rollen bringen könnten. Von mir aus sollen viele kleine Breipötte aus dem Boden sprießen.“ Die Musik kann man übrigens auch von zu Hause aus auf der Internetseite des Breipotts hören. Vor einer reellen Schale Brei macht das Ganze aber mehr Spaß.

www.breipott.cc, Skalitzer Straße 81, Kreuzberg. Täglich ab 17 Uhr geöffnet

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