Stadtleben : Benefizkonzert im Laden

Sänger Marlon Roudette von Mattafix stellte seine neue Single vor – in einem Oxfam-Shop

Lu Yen Roloff

Oxfam-Shop, Schönhauser Allee. Zwischen den Bücherregalen und Kleiderständern des Secondhandshops finden Mattafix-Sänger Marlon Roudette und seine Band kaum Platz. „Das ist sicher das intimste Konzert, das ich jemals gegeben habe“, scherzt der Engländer mit den karibischen Wurzeln, der mit seinem Titel „Big City Life“ 2005 wochenlang in den Top Ten der Hitparaden war. Am Dienstgmittag nun stellte er seine neue Single „Living Darfur“ vor – ein Benefizsong, der von den 2,5 Millionen Flüchtlingen handelt, die vor dem Bürgerkrieg im Sudan in Auffanglager in der Region Darfur und dem angrenzenden Tschad fliehen mussten.

Um das Video zu drehen, flog Marlon, finanziert von seinem Freund Mick Jagger und unterstützt von der Save Darfur Coalition, selbst für vier Tage in ein Flüchtlingslager im Tschad. Das Video, das während des Konzerts auf einem Fernseher im Laden läuft, zeigt Marlon in einer Lehmhütte, Frauen, die auf einem staubigen Feld Fußball spielen, lachende Kinder schauen in die Kamera. „Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus“, sagt Marlon. „Aber ich weiß von den Mitarbeitern der Hilfsorganisationen, dass die meisten Frauen im Camp mehrfach vergewaltigt worden sind, viele der Kinder waren Waisen. Die meisten Leute wären angesichts solch schrecklichen Erlebnisse zusammengebrochen, aber diese Menschen haben trotzdem lächeln können. Diese menschliche Stärke wollten wir mit dem Song rüberbringen.“

Die Erlöse aus der Single, eine Auskopplung aus dem neuen Mattafix-Album „Rhythms and Hymns“, gehen an die Hilfsorganisationen Oxfam, Crisis Action und die Save Darfur Coalition. Sie leisten in Darfur humanitäre Hilfe und setzen sich für einen Waffenstillstand im Sudan ein. „Die Arbeit dieser Organisationen ist eine große Erleichterung für die Menschen dort“, sagt Marlon. „Ich habe selbst die Armut und den Hunger gesehen.“ Die Fans, die sich in dem kleinen Laden drängelten, interessierten sich aber vor allen Dingen für den smarten Sänger und seine einschmeichelnde Stimme. Zumal er am Ende geduldig Autogramme verteilte. Lu Yen Roloff

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