Berlin - Peking : Techno-Club Tresor expandiert nach China

Den Tresor soll es jetzt auch in China geben. Im Herbst will Gründer Dimitri Hegemann den Betrieb in einer Tiefgarage testen. Ab 2010 dann soll eine ständige Partylocation in Peking geben.

Udo Badelt

Wer nicht wächst, schrumpft. Dass diese alte Wirtschaftsregel auch für die Clubkultur zu gelten scheint, kann man derzeit beim „Tresor“ beobachten. Gründer Dimitri Hegemann, der am Mittwoch seinen 55. Geburtstag gefeiert hat, ist zurzeit vollauf damit beschäftigt, das Projekt „Tresor.China“ auf den Weg zu bringen – die Expansion in den Fernen Osten.

„Das Goethe-Institut hat mich angesprochen, ich fand die Idee gut“, sagt er. Und so wird der Tresor vom 23. bis 31. Oktober eine Tiefgarage in der Stadt Wuhan nutzen und dort die Partygänger mit Techno aus Berlin versorgen. Dazu reisen die beiden hauseigenen DJs Pacou und Medy Soul an, um ihre chinesischen Kollegen zu unterstützen. Das Ganze findet statt im Rahmen der „Deutsch-Chinesischen Promenade“. Die wiederum bildet den jährlichen Höhepunkt der Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“. Seit 2007 gastiert diese Reihe in verschiedenen chinesischen Städten. Die Technofans werden also sozusagen mit oberstem staatlichen Segen tanzen, denn Bundespräsident Horst Köhler und Staatspräsident Hu Jintao sind die Schirmherren.

Wuhan soll aber nur ein Testlauf sein. Ab Frühjahr 2010 ist ein permanenter Tresor-Club in einer noch von der DDR erbauten ehemaligen Industriehalle in Peking geplant. „Genau mit dieser Transformation aufgegebener Gebäude haben wir in Berlin Erfahrung“, sagt Hegemann, der sich selbst als „Raumforscher“ bezeichnet. Nach dem Fall der Mauer sei hier eine Kreativwirtschaft entstanden: „Die Leute, die in die Clubs gingen, gründeten später Galerien, Modelabels oder Grafikagenturen.“ Die Chinesen wiederum haben eigentlich gar keine leerstehenden Räume, weil sie sie sofort abreißen. Trotzdem, so Hegemann, hätten ihm seine Gesprächspartner auf zwei Chinareisen signalisiert, Interesse an dem Berliner Konzept zu haben. Und so wird er in Wuhan auch an Diskussionsrunden in der Universität teilnehmen.

In Zukunft sollen dann jeden Monat DJs aus Berlin nach Peking kommen. Hören chinesische Kids andere Musik als Techno, und könnte das nicht zum Problem werden? „Die meisten hören Mainstream“, sagt Hegemann, um dann ganz selbstbewusst anzufügen: „Die werden sich eben anpassen.“ Er sehe das Projekt durchaus als Mission. Für DJs aus China sei es eine Chance, ihren Weg nach Europa zu finden. Wenn also demnächst im Berliner Tresor auch DJs aus Fernost anzutreffen sind: Nicht wundern.

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