Berliner Musikszene : Der Alien vom Ziegelhof

Bela B. von den Ärzten wirkt derzeit nicht nur im musikalischen Bereich. Auf ihrer Internetseite schürt die Band jedoch Gerüchte über ein Live-Comeback noch in diesem Jahr - und andere Berliner Bands tun es ihnen gleich.

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Synchronsprecher Bela B. im Tonstudio.
Synchronsprecher Bela B. im Tonstudio.

Der Mann hat einen Hang zum Bizarren. Ärzte-Schlagzeuger Bela B. singt nicht nur schräge Texte und hat seinen Künstlernamen dem Dracula-Darsteller Bela Lugosi entliehen, er gilt auch als Comicfan mit Vorliebe zum Horror-Quatsch-Genre. Sogar ein kleines Comiclabel hat Bela B. mal betrieben, aber das ist viele Jahre her. Seither hat er sich nicht nur als Ärzte-Musiker auf der Bühne verdingt, sondern auch als Synchronsprecher und Schauspieler vor der Kamera. Sogar in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ haben ihn Ärzte-Fans entdeckt: Bela B. soll zwei Sekunden lang in einer Filmszene als Kino-Platzanweiser zu sehen sein.

Nun meldet sich der Spandauer – groß geworden im Kiez rund um den Ziegelhof an der Havel – und Polizeianwärter („Ausbildung abgebrochen“) mit zwei neuen Projekten zurück: Am 26. Februar liest er im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz Texte von Maarten Keulemans mit dem fröhlichen Titel „Die besten Weltuntergänge“ (16 Euro, 20 Uhr), kurz danach ist er dann in den deutschen Kinosälen zu hören – als Alien.

Grün ist dieser natürlich, hat einen schrumpeligen Kopf und große Augen, und standesgemäß hat er die letzten Jahrzehnte in „Area 51“ verbracht, dieser ominös-geheimnisvollen Ufo-Stätte im staubigen US-Staat Nevada. Diesem Außerirdischen leiht er die Stimme in der Trashkomödie „Paul – Ein Alien auf der Flucht“, die am 14. April ins Kino kommt.

Alien "Paul", dem Bela seine Stimme leiht.
Alien "Paul", dem Bela seine Stimme leiht.

Auf die Musikerbühne drängte der 48-Jährige in den vergangenen Monaten meist nur mit seiner Ersatzband Los Helmstedt. Doch auch mit den Ärzten, um die es seit mehr als zwei Jahren ruhig geworden ist, ranken sich Gerüchte. Auf ihrer Internetseite veröffentlichte die Spandauer Truppe (gegründet einst an der Bushaltestelle vor dem Rathaus) eine etwas wirre Botschaft, die vor drei Tagen klammheimlich gelöscht wurde: „Ohne zu viel verraten zu wollen“, könne man doch im Jahr 2011 einiges versprechen, schrieben sie da. „Es wird voraussichtlich – aber das bleibt bitte unter uns!“. Und: „Daten, die man sich merken sollte: 2. April, 13. Juli, 15. Juli, 4. Oktober und den eigenen Geburtstag.“ Die Ärzte spielen also voraussichtlich/vielleicht/oder auch nicht nach langer Pause wieder live, zumal ja in der Musikbranche das hartnäckige Gerücht im Umlauf ist, dass die Ärzte sich im Herbst zusammengesetzt und beschlossen haben, wieder an neuen Projekten zu basteln.

Es könnte somit das Jahr der Wiedervereinigung sein, schließlich melden sich auch andere Berliner Bandgrößen zurück: Vor gut einer Woche erst haben die Beatsteaks nach langer, langer Pause ihre neue Platte „Boombox“ veröffentlicht. Im Sommer werden sie zwei Konzerte in der Wuhlheide vor 35 000 Fans geben, die erste Show ist längst ausverkauft. Und auch Seeed um Sänger Pierre Baigorry alias Peter Fox sind derzeit im Studio („Wahnsinn!“) und werden in diesem Jahr wieder gemeinsam auf die Bühne gehen. Allerdings haben sie auf ihrer Bandseite erst einmal vier Shows bei großen Festivals angekündigt – in Österreich, der Schweiz, auch in Konstanz und in Leipzig. Eine Berliner Lokalität haben sie nicht gebucht. Könnte aber noch was werden.

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