Berliner Sommerbäder : Bewaffnet zum Schwimmen

Trotz verschärfter Eingangskontrollen haben die Sommerbäder in Berlin ein Sicherheitsproblem: Messer. Der Bäderchef will nun mehr Polizeipräsenz.

Hannes Heine
Prinzenbad
Abkühlung für Hitzköpfe. Viele Jugendliche verbreiten ein Klima der Gewalt in den Sommerbädern. -Foto: dpa

Hassan ist kräftig, sein Waschbrettbauch ist in Form. Trotzdem hat der 17-Jährige aus Wedding ein Messer dabei. Gerade hat er die Waffe mit ausfahrbarer Klinge in das Sommerbad Pankow schmuggeln können. Auch seine vier Freunde haben Messer dabei. „Zur Verteidigung“, sagt Hassan.

Zehntausende Badegäste suchten in den vergangenen Tagen Abkühlung in den 27 Sommerbädern der Stadt, darunter auch viele junge Hitzköpfe. Immer wieder kommt es deshalb zu Gewalt. Erst vor einigen Wochen wurde an der Tegeler Badestelle Saatwinkel ein Besucher durch Messerstiche getötet. Bei einer Auseinandersetzung im Prinzenbad ist im vergangenen Sommer ein Mann durch einen Stich in den Oberkörper verletzt worden.

Seit Jahren gebe es Probleme mit Jugendcliquen aus Kreuzberg, Wedding und Neukölln, berichten Mitarbeiter der Bäder. Die scharfen Kontrollen etwa im Kreuzberger Prinzenbad hätten in den vergangenen Jahren zwar viele Störenfriede abgeschreckt. Doch das Problem werde nur in andere Bäder verdrängt. „Junge Männer aus Kreuzberg fahren jetzt lieber nach Pankow“, sagt Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäderbetriebe. Im vergangenen Jahr randalierten in Pankow 100 jugendliche Gäste, Besuchern zufolge hatten viele von ihnen einen Migrationshintergrund. Die Eingangskontrollen wurden deshalb in diesem Jahr verschärft. Zurzeit sind dort nicht wie üblich drei sondern bis zu zehn Wachleute im Einsatz. Eine halbe Millionen Euro geben die Bäderbetriebe in diesem Jahr insgesamt für Sicherheitsmaßnahmen aus.

„Wir versuchen durch Taschenkontrollen zu verhindern, dass überhaupt Waffen in die Freibäder gelangen“, sagt Bäderchef Lipinsky. Dass nicht alle Waffen gefunden werden, weiß Lipinsky. Erst vor einigen Wochen hatten Bademeister in Pankow offenbar von Gästen eilig weggeworfene Messer auf dem Boden eines Schwimmbeckens entdeckt. „Die Kontrollen sind letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Lipinsky.

Die Eingangskontrollen im Freibad Pankow sind streng. Etwa 60 Leute stehen vor den Wachleuten in der Schlange. Jeder Gast wird an der Kasse vom Sicherheitsdienst nach Waffen durchsucht: Handtücher, Badehosen und Sonnenmilch müssen ausgepackt werden. Auch Picknickkörbe werden durchsucht. Die gefundenen Messer landen in einem Eimer neben dem Eingang. „Heute sind es fast 50 Stück“, sagt ein Sicherheitsmann. An diesem Ferientag ist gerade mal Mittag. Viele der eingesammelten Messer sind so genannte Springmesser, die laut Waffenrecht verboten sind.

Hassan und seine Kumpane haben ihre Messer in den Hosen versteckt und kommen an der Kontrolle vorbei. Ein Familienvater muss dagegen ein altes Küchenmesser abgeben. „Und wer schneidet meine Melone“, fragt er verärgert. Auch seine kleinen Töchter, die sich auf das Picknick im Bad gefreut haben, zeigen wenig Verständnis. Auf der Liegewiese macht sich Hassan über die Sicherheitsvorkehrungen lustig. „Wer ein Messer mit rein nehmen will, schafft das auch“, sagt er.

Um die Sicherheit zu erhöhen will Lipinsky mehr Polizisten in die Bäder holen – in Badehosen. Demnächst solle die Polizei ihren Dienstsport in den Freibädern durchführen, sagt der Bäderchef. Für die Beamten könnte eine eigene Schwimmbahn abgesperrt werden. Wenn Polizisten dort trainierten, so Lipinskys Hoffnung, werde dies auf Gewalttäter eine abschreckende Wirkung haben.

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