Stadtleben : Der Menschenfischer

Christoph von Marschall, USA-Korrespondent, las aus seinem Buch über Barack Obama.

Daniela Martens
Christoph von Marshall
Christoph von Marschall -Foto: Promo

Der Mann spitzt die Lippen. Die Frau neben ihm lächelt strahlend in die andere Richtung: Michelle und Barack Obama, ein gut aussehendes Paar. Das Foto wird überlebensgroß an die Wand des Löwenpalais im Grunewald projiziert. Christoph von Marschall sieht zu ihnen hoch und sagt: „Ich bin sehr beeindruckt von Obama.“ Von Marschall ist seit drei Jahren USA-Korrespondent des Tagesspiegel und hat ein Buch geschrieben über den „schwarzen Kennedy“, der Präsident der Vereinigten Staaten werden will wird (Orell Füssli Verlag, 220 Seiten, 24 Euro). An diesem Winterabend liest von Marschall daraus. Und er hat Fotos mitgebracht, wie jenes von Obama und seiner Frau, die entstanden, während der Jourmalist den Politker der Demokraten beim Vorwahlkampf begleitet hat. „Obama ist ein Menschenfischer. Er hat sehr viel Ausstrahlung und man sieht es an den Augen der anderen, dass er wirkt“, sagt von Marschall im Gespräch mit Tagesspiegel-Redaktiondirektor Gerd Appenzeller, der die Veranstalung moderiert. Das Interesse der Tagesspiegel-Leser war derart groß, dass es tags eine Wiederholung gab (moderiert von Malte Lehming, Leitender Redakteur beim Tagesspiegel.)

Nachdem von Marschall an manchen Tagen vier Mal die gleiche Rede gehört hatte, sei die Faszination jedoch etwas abgeklungen. Ähnliches gilt wohl auch für Obamas Frau Michelle, der von Marschall ein Kapitel in seinem Buch widmet. Sie macht sich des Öfteren über das Rockstar-Image ihres Mannes lustig: „Ich höre, er ist ein eindrucksvoller Typ, ein großartiger Redner, ein Juraprofessor, ein Bestsellerautor. Bewundernswert. Aber wie bringe ich das in Einklang mit dem Typen, der bei mir zu Hause lebt?“ zitiert von Marshall die Juristin und Mutter zweier Kinder. Die beiden „süßen“ Töchter der Obamas seien im Wahlkampf gegen seine demokratische Mitbewerberin Hillary Clinton ein Bonus.

Ob Hillary Clinton oder Obama – in Deutschland entstehe der Eindruck, dass die Demokraten schon gewonnen hätten, sagt ein Tagesspiegelleser aus dem Publikum. Von Marschalls Wahlprognose? Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten gewählt werden auf 60 Prozent. „Die Amerikaner sind weder reif für einen Schwarzen – noch für eine Frau“, meint jedoch eine Tagesspiegelleserin nach der Lesung. Sie sei gekommen, weil sie kaum etwas über Barack Obama gewusst habe, sagt sie. Jetzt habe sie das Gefühl, ihn wesentlich besser zu kennen. Überhaupt fühlt man sich Amerika an diesem Abend sehr nahe: Überall im Saal des Löwenpalais hängen Fähnchen: an den Vorhängen, am Mikrofon und am Projektor. Und die Firma eßkultur serviert California Rolls, Brownies und Baked Potatoes mit Kürbiskern-Sauce – ein kalifornisches Wahlkampfessen.

Bestellt werden kann das Buch unter tagesspiegel.de/buchshop

Weitere Lesungen: Montag 21.1, 18.30 Uhr, Heinrich Böll-Stiftung in den Hackeschen Höfen; Dienstag 29.1., 19 Uhr, Adenauer-Stiftung, Tiergartenstraße 35

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