Deutsch-Amerikanisches Volksfest : Hollywood am Hüttenweg

Ab heute steigt das Deutsch-Amerikanische Volksfest zum Thema Los Angeles. Doch der Traditionsrummel ist bedroht. Gesucht wird ein Ersatzstandort.

Rainer W. During

Wieder scheint eine West-Berliner Institution vor dem Ende zu stehen. „Das Deutsch-Amerikanische-Volksfest darf nicht sterben“, forderte gestern Berlins Schausteller-Präsident Peter Zocher. Er sprach von einem „lebenden Denkmal“. Doch wenn kein Ersatzgelände gefunden wird, könnte der traditionsreiche Budenzauber nach 47 Jahren zum letzten Mal über die Bühne gehen. Ab heute wird bis zum 19. August am Hüttenweg noch einmal zünftig gefeiert. Diesmal ganz im Zeichen der 40-jährigen Partnerschaft Berlins mit der kalifornischen Metropole Los Angeles.

Statt Wildwest-Romantik tummeln sich in diesem Jahr Inline-Skater und Muskelmänner am Venice Beach. Ehrengäste hinterlassen ihre Handabdrücke im Beton wie vor dem „Chinese Theater“ am Hollywood Boulevard. Und vom American Ice Cream bis zum Steakhouse und dem Taco Heaven gibt es jede Menge kalorienreiche amerikanische Kost. Die „Sister-City“ ist mit touristischen Informationen und dem New West Guitar Quartet vertreten.

Los Angeles lebt die Partnerschaft mit dem Austausch von Kulturprogrammen, Studenten und Young Professionals“, so Tom Labonge, Stadtrat und Präsident des „Sister Cities“-Komittees. Und auch durch die Filmindustrie beider Partnerstädte gebe es viele Anknüpfungspunkte. Vier Volksfest-Besucher werden sich an Originalschauplätzen in L.A. umschauen können, unter den gekauften Eintrittskarten für 1,50 Euro (Kinder unter zwölf Jahren frei) werden zwei Flugreisen verlost.

Die Schausteller sind mit 103 Geschäften wie dem Überkopf-Karussell „Vortex“ vertreten. Mittwochs ist Familientag mit halben Preisen. Und 20 Prozent spart an den übrigen Tagen, wer vor dem Besuch im Internet (www.deutsch-amerikanisches-volksfest.de) Volksfest-Dollar ordert.

Vor sieben Jahren musste das Volksfest einem Bauprojekt weichen und auf die benachbarte Truman-Plaza umziehen. Auch dort sollen jetzt Wohnungen entstehen. Steglitz-Zehlendorfs Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) sieht wegen der Dauer des Planungsverfahrens noch Chancen für eine Nutzung im kommenden Jahr. Dies müsse allerdings der künftige Investor entscheiden, mit dem man spätestens im Frühjahr einen Vertrag schließen will, so Helmut John von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Ein mögliches Ersatzgelände hat Stäglin am Platz des 4. Juli in Lichterfelde ausgemacht. Doch dort könnte es Probleme mit den Anwohnen geben, befürchtet Veranstalter Richard Simmons. Der 60-Jährige ist selbst ein Stück Volksfestgeschichte. Simmons kam 1971 als US-Offizier nach Berlin und heiratete in die Schaustellerfamilie Purwin ein. Als Zivilist organisiert er seit Mitte der 70er Jahre den Rummel, nach dem Abzug der Alliierten übernahm er 1994 auch das Begleitprogramm der Amerikaner. Simmons möchte gerne noch das 50. Deutsch-Amerikanische Volksfest veranstalten. Sohn Christopher will die Tradition dann fortsetzen. Rainer W. During

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