Deutsche Kinemathek : Darth Vader in der Kiste

Rückbau im Filmmuseum am Potsdamer Platz: Spider-Man, King Kong und andere Leinwand-Figuren wurden entfernt. Das nötige Geld fehlt.

Andreas Conrad
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Düstere Aussichten. Star-Wars-Bösewicht Darth Vader ist ab sofort nicht mehr im Filmmuseum zu bewundern. Ob er zurückkehrt, ist...

Ein menschenleeres Museum ist denkbar ungeeignet, um sich darin zu verstecken, und einen Stasi-Aufpasser schüttelt man dort erst recht nicht ab. Tapp-tapp -tapp – wohin sich Paul Newman alias Professor Armstrong in der Alten Nationalgalerie auch wendet, Wolfgang Kieling als Wachhund Gromek bleibt ihm auf den Fersen.

Natürlich hat Alfred Hitchcock diese Szene für „Der zerrissene Vorhang“ 1965/66 nicht auf der Berliner Museumsinsel gedreht. Sie entstand in den Universal-Studios in Hollywood, mit Kulissen und sogenannten „matte paintings“ von Albert Whitlock, auf dessen Kunst der Hintergrundmalerei Hitchcock gern zurückgriff. Wenn am 29. Januar im Filmmuseum an der Potsdamer Straße die Ausstellung „Casting a shadow – Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ eröffnet wird, parallel zur Präsentation der erweiterten Dauerausstellung zum deutschen Film, so ist auch eine in der Museumsszene verwendete Malerei zu sehen, die zur Sammlung der Stiftung Deutsche Kinemathek, Trägerin des Museums, gehört.

Dies ist eine Premiere und ein Schlusspunkt zugleich. Matte paintings sind ein zentraler Teil der von dem Filmhistoriker Rolf Giesen aufgebauten Sammlung „Animation und Special Effects“. Sie waren in dem Ende August 2008 geschlossenen Ausstellungsteil „Künstliche Welten“ aber nicht zu sehen, und so wird es nach der Hitchcock-Schau auch wieder sein. „Künstliche Welten“ sind im Film museum nicht mehr vorgesehen.

Das war bis zum Spätsommer 2008 noch anders. Da fletschte in den beiden Räumen jenseits des Fahrstuhlfoyers King Kong seine Zähne, erfüllte Darth Vader kleine Jungs mit Ehrfurcht und Gruseln, kletterte Spider-Man die Wände hoch – es war der Ausstellungsteil, der den Blick vom deutschen Filmschaffen löste und in ebenso internationale wie fantastische Sphären erweiterte.

Damit ist nun Schluss. Der deutsche Teil der Dauerausstellung war bei Schimanski und „Lola rennt“ stehen geblieben und wird derzeit erweitert, in den ersten Raum der „Künstlichen Welten“ hinein, der zuvor dem US-Animationskünstler Ray Harryhausen gewidmet war. Dessen Trickfiguren waren nur eine Dauerleihgabe und wurden ohnehin vorerst eingemottet. In dem verbliebenen zweiten Raum sollte eine neu konzipierte Ausstellung zur „Evolution der Animation“ entstehen, was nach neuster Planung entfällt. Man werde dieses Projekt „zunächst nicht anfassen“, sagt Rainer Rother, Künstlerischer Direktor des Museums. Da, wo einst Raumschiffe und außerirdische Monster die Museumsluft durchpflügten, wird sich also bis auf Weiteres ein schwarzes Loch ausbreiten und der bisherige Rundgang eher einer Sackgasse ähneln.

Es liegt, so begründet Rother den Rückzug, am Geld. Die Erweiterung des deutschen Ausstellungsteils sei gesichert, die Animationsschau aber, anders als zunächst gedacht, aus den regulären Finanzmitteln nicht zu stemmen. Zwar gebe es Versuche, an Drittmittel zu gelangen, aber sehr konkret scheint das noch nicht – Rother hält sich recht bedeckt. Auch mit seiner vorsichtig geäußerten Hoffnung, die jetzt im Archiv verschwundene eigene Sammlung wie auch Harryhausens Monster anderswo in Deutschland zeigen zu können, bleibt er noch im Vagen.

Die Special-Effects-Sammlung der Kinemathek wurde seit 1985 von Rolf Giesen aufgebaut, sie trägt auch seinen Namen. Über 200 dreidimensionale Exponate gehören dazu, Modelle, Requisiten, Kostümteile, Figuren, etwa kleine Matrosen, die Wolfgang Petersen für „Das Boot“ benutzte; dazu zahlreiche Zeichnungen, Entwürfe, die matte paintings eben und vieles mehr, Filmgeräte und eine umfangreiche Bibliothek. Versicherungswert: mehrere 100 000 Euro. Einen großen Etat, berichtet Giesen, gab es dafür nie, vieles kam durch persönliche Kontakte als Geschenk oder Leihgabe nach Berlin. Ohnehin habe das Thema es „grundsätzlich schwer“ gehabt, sagt der Filmkundler, der nun, nachdem der von ihm mitgetragene Kompromiss einer verkleinerten Animationsschau gescheitert ist, seine jahrzehntelange Arbeit grundsätzlich infrage gestellt sieht – zumal sein Vertrag zum Jahreswechsel nicht verlängert wurde. Wenn schon die Sammlung nicht mehr ausgestellt wird, dürfte sie auch kaum mehr erweitert und um die neuen Techniken der Animation ergänzt werden, befürchtet er. Auch die vielen internationalen Kontakte gingen verloren.

Anderswo weiß man die eingemotteten Schätze eher zu würdigen – und hat schon begehrlich danach gegriffen. So erwarb vor Jahren Peter Jackson, Regisseur der „Herr der Ringe“-Trilogie und des bislang letzten „King Kong“-Remakes, einige Relikte des Ur-„King Kong“, die in Berlin nur leihweise waren und von ihrem Besitzer verkauft wurden. Und als Interessent für die eingelagerte Harryhausen-Sammlung ist sogar die Academy of Motion Picture Arts and Sciences im Gespräch. Das ist nur konsequent: 1991 hatte sie dem Trickkünstler einen Ehrenoscar verliehen.

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