Stadtleben : „Diese Stadt steckt voller Energie“ Ungarns Kulturinstitut wurde wiedereröffnet

Rolf Brockschmidt

Das Haus erhebt sich von vorn schlank wie ein Ausrufezeichen. Das sechsstöckige Gebäude in der Dorotheenstraße 12, das Peter P. Schweger entworfen hat, würde jedem Land als Botschaft zur Ehre gereichen. Aber die Ungarn haben sich dafür entschieden, ihr altes Kulturinstitut Collegium Hungaricum Berlin (CHB) an historischer Stelle wiedererstehen zu lassen – als Botschaft der Kultur. Bei der feierlichen Eröffnung durch Ungarns Kulturminister István Hiller gab es gleich volle Säle, die Gäste im Erdgeschoss und ersten Stock folgten der Eröffnung im großen Saal per Videoleinwand. „Diese Stadt steckt voller Energie, sie ist ein Brennpunkt der Kulturen“, sagte Hiller, und Senatorin Heidi Knake-Werner (Linke) beglückwünschte die Ungarn zu diesem „wichtigen Zentrum der Hauptstadt“. Den Ungarn dankte Bundesministerin Annette Schavan für die Öffnung des Eisernen Vorhangs, und der scheidende Direktor des Zentrums, András Masát, bekannte: „Berlin wird mir fehlen, aber ich bleibe ein Berliner.“ Can Togay, der neue Direktor, stellte sich vor als „Sohn türkischer Eltern, der in Ungarn geboren wurde und Ungarn seine Identität verdankt. Die deutsche Kultur hat mich schon immer fasziniert“, sagte er und versprach spannende Ausblicke auf die Zukunft in der Nachbarschaft von Museumsinsel und Humboldt-Universität. Ein Stückchen Ungarn präsentierte dann der Schriftsteller Peter Eszterhazy mit seinen ironischen Betrachtungen eines notorischen Literaturhauseröffners: „Könnte man nicht mitteleuropäische Fragen stellen, die man nicht einmal in Budapest stellt?“ Die Begeisterung der Ungarn für Berlin zeigt eine sehenswerte Ausstellung in der Botschaft Unter den Linden: „Unser Paris ist heute Berlin.“ Rolf Brockschmidt

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