Echo-Verleihung : Randale und Liebe

Die 19. Verleihung des Musikpreises Echo: Neuer Ort, viele Promis, schräge Sprüche und böse Sticheleien.

Sebastian Leber
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"Robbie Williams ist ein echter Titan" Diesen Satz hat der andere "Titan", der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn (rechts), in...Foto: ddp

Robbie Williams strahlte, Silbermond- Steffi wollte gar nicht aufhören, sich zu bedanken. Aber keiner freute sich am Donnerstagabend so schön wie Udo Lindenberg – obwohl der gar keinen Preis gewonnen hatte. Dafür durfte er seinem Kumpel Jan Delay einen Echo überreichen, mit dem Lindenberg nach eigener Aussage „gerne einen zwitschert“ und auch sonst viel Spaß hat. „Den Typ hat der Kosmos gesandt“, nuschelte Lindenberg ins Mikrofon. Und: „Das geht ab, Digger!“

Es war der Echo der Liebeserklärungen. Schauspielerin Nora Tschirner gestand in ihrer Laudatio auf Peter Fox, dessen Album „Stadtaffe“ als das beste des vergangenen Jahres ausgezeichnet wurde, dass selbst ihre Eltern und die sechsjährige Schwester den Berliner Sänger lieben. Oliver Kahn nannte Robbie Williams einen „Titan“. Der wiederum dankte seinen treuen deutschen Fans, und das zu Recht, denn anders als in den USA und Großbritannien hat es sein Comeback-Album hier auf Platz eins geschafft. Dafür ließ er sich vom Moderator gerne Kauderwelsch-Fragen zu seiner bevorstehenden Ehe gefallen („You’re from the market now?“) und revanchierte sich mit einem ebenso seltsamen „Ich bin ein very very happy“. Auch Martin Gore von Depeche Mode zeigte Deutschkenntnisse, schließlich hat er lange hier gelebt, und innerhalb eines Jahres war er nun schon zum vierten Mal in der Stadt, um sich den Echo in der Kategorie „beste internationale Band“ abzuholen.

Es gab aber auch Seitenhiebe und Anfeindungen. Ein wenig brenzlig wurde es gar, als Oliver Pocher den Preis für das beste Video an seinen Intimfeind Sido übergeben musste. Der pöbelte jedoch nicht Pocher an, sondern zeigte bloß dem Publikum seinen Mittelfinger. Schlagersängerin Andrea Berg beschwerte sich, bei früheren Verleihungen aus der Fernsehübertragung rausgeschnitten worden zu sein, Marius Müller- Westernhagen regte sich über Castingshows auf, woraufhin sich Castingshow-Gewinnerin Senna Guemmour vor laufender Kamera an den Kopf fasste. Schauspielerin Nora Tschirner witzelte über die nur 1,56 Meter Körpergröße von Schlagersängerin Michelle, und die lächelte gequält zurück.

Die noch etwas größeren Skandälchen spielten sich vor Beginn der Preisverleihung auf dem diesmal violetten Teppich ab. Erst kündigte Sido an, den Abend vor allem mit Jägermeister und Marihuana zu überstehen, worauf er zum Beweis eine gefüllte Plastiktüte aus seinem Turnschuh zog. Dann regte sich Modeschöpfer Michael Michalsky über „die Transen“ auf, die erstens schäbig angezogen seien und zweitens den „schönen Teppich ruiniert“ hätten. Er meinte die Berliner Drag Queen Nina Queer, die US-Popstar Kesha am Eingang der Halle 19 auf dem Messegelände unterm Funkturm mit goldenem Lametta beworfen hatte.

Einer der großen Gewinner des Abends war überhaupt nicht nominiert. Hape Kerkeling trat in der vor 17 Jahren erfundenen, aber bisher nicht allzu erfolgreichen Rolle der unterwürfigen Schlagerdiva Uschi Blum auf und sang eine Kirmestechno-Version des Dschingis-Khan- Liedes „Moskau“. Als er verkündete, dieses Lied könne man ab Freitag als Single im Laden kaufen, wussten viele im Publikum nicht, ob das nun Sketch oder Ernst war. Es ist Ernst.

Im Showteil traten außerdem Gossip und die wiedergekehrte Sade auf. Der Déjà-vu-Moment des Abends gelang dem Kinderchor, der ein Medley für den verstorbenen Michael Jackson sang. Dieser wurde anschließend direkt in die „Echo Hall of Fame“ aufgenommen. Auch Auftritte von Rihanna und Peter Maffay standen auf dem Programm. Letzterer hatte selbst ein Medley vorbereitet, bestehend aus seinen größten Hits wie „Du“ und „Über sieben Brücken musst Du gehen“. Der Hamburger Jan Delay trug seine neue Ballade „Hoffnung“ vor und wurde prompt mit zwei Echos ausgezeichnet. Der Preis für den besten nationalen Künstler ging jedoch an Xavier Naidoo.

Etwas unglücklich schauten die Mitglieder der Gruppe Pur drein. Sie mussten im Vip-Bereich neben der Bühne in Stuhlreihe sechs Platz nehmen, noch hinter den Flippers – vor ein paar Jahren noch wäre ihnen die erste Reihe sicher gewesen. Aber da hockten jetzt Peter Maffay und Udo Lindenberg.

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