Einkaufen : Auf die letzte Minute

Jetzt aber hurtig: Für alle, denen zwei Tage vor der Bescherung noch das ein oder andere fehlt, haben wir einige geheime Orte für besondere Geschenke zusammengestellt.

Grit Thoennissen

Noch zwei Tage bis Weihnachten, und Sie haben weder ein Geschenk noch das Richtige anzuziehen? Ein ausgefallener Modeladen könnte da zur letzten Rettung werden. Einige stellen wir hier vor:

Kuschelig. Brauchen Pflanzen handgestrickte Übertöpfe? Ja, weil sie dem Betrachter das Herz wärmen. Die Designerin Maike Dietrich lässt Strickerinnen in Berlin und Umland aus dicker, weicher Wolle nicht nur Schals, Mützen und Pullover mit großen Motiven wie Ananas, Rennautos oder Giraffen fertigen. Sie umstrickt auch gerne Alltagsgegenstände. Für die Galerie „Oona“ hat sie ein ganzes Wohnzimmer mit Wolle eingehüllt. Für den Boden strickte sie Teppiche, die aussehen wie überdimensionale Schals. Schlichte Porzellankannen steckt sie in tomatenrote Angorahüllen, Teller stellt sie auf dickmaschige Woll-Platzdeckchen, sogar Notizbücher hüllt sie in Gestricktes – sinnvoll, wenn man während eines Spaziergangs auf gute Ideen kommt und keine klammen Finger bekommen möchte. Und weil bei „Oona“ eigentlich Schmuckkünstler ihre Werke zeigen, gibt es auch noch Ketten aus japanischem Plastikspielzeug, verdrehte Goldketten und Armreifen mit fast unsichtbar angebrachten Diamanten.

Galerie Oona, Auguststraße 26 in Mitte. Mo/Di 14–18 Uhr

Exklusiv

Oben ist exklusiver als unten – so scheint sich Karl-Heinz Müller gedacht zu haben, als er eine hochherrschaftliche Wohnung über seinem Modegeschäft „14oz“ als Zweigstelle „2nd Floor“ einrichtete. Einfach so hineinspazieren kann man hier nicht, das Einkaufen in Wohnzimmeratmosphäre ist Stammkunden vorbehalten. Vor Weihnachten wird für Tagesspiegel-Leser eine Ausnahme gemacht: Unten im Laden kann man bis Heiligabend für oben um Einlass bitten. Im Herrenzimmer darf sich der Kunde in Lederfauteuils niederlassen und Smokinghemden, Anzüge und Klappzylinder in alten Vitrinen betrachten. Die elfenbeinfarbene Schlafzimmergarnitur lädt Geschenkesucherinnen zum Ausruhen ein. Auf dem Plumeau liegen glitzernd bestickte T-Shirts, an der Garderobe hängen grasgrüne Mäntel, als wären sie immer da. Dekoration und Möbel sind unverkäuflich – aber es macht Spaß, durch die Blümchengardine dem Trubel auf der Straße zuzuschauen.

„14oz“ und „2nd Floor“, Neue Schönhauser Straße 13 in Mitte. So 13–18 Uhr, Mo/Di 11–20 Uhr, Mi 11–14 Uhr

Gedruckt

Wer sich erst mal informieren will, was er zum Anziehen verschenken sollte, wird in Berlin keinen besseren Ort finden als „Do you read me?“ – und vielleicht auch gleich ein Geschenk. Es gibt dort nicht nur eine gute Auswahl schöner Magazine über Kultur, Mode, Gesellschaft und Architektur, sondern auch ein Heft mit dem Titel „Froh! – Magazin für die schönen Tage des Jahres“ vom Kölner Kunstkollektiv Motoki. Geschichten übers Fest stehen neben Anleitungen für Stadt-Land-Fluss-Spiele – gegen die Langeweile am zweiten Weihnachtsabend.

„Do you read me?“, Auguststraße 28 in Mitte. So 13–17 Uhr, Mo/Di 10–20 Uhr

Festlich

Damen, denen schwant, sie könnten neben einem reich dekorierten Weihnachtsbaum wie ein hässliches Entlein aussehen, können noch bis zum 23. Dezember bei „Lac et Mel“ klingeln und unterm Kronleuchter grünseidene Gehröcke, hochgeschlossene Satinblusen, Samtkorsagen und taillierte Kleider aus glänzender Dupionseide anprobieren. Der Designer Gregor Clemens ist mit Partner Konrad Dobschütz gerade aus Leipzig hierhergezogen. Ihre Wohnung dient auch als Atelier und Showroom. Ganz unbekannt sind die beiden hier nicht, schon zweimal zeigten sie ihre Mode auf der Berliner Fashion Week.

Lac et Mel, Eberswalder Straße 20 in Prenzlauer Berg, Tel. 5471 3785. Mo/Di 10 –20 Uhr, So und nach Weihnachten nach telefonischer Vereinbarung.

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