Fan-Meile für alle : Fünf Sieger unter der Säule

Fußballfans, Modeleute, Homosexuelle, Läufer und Radler – jetzt können doch alle in Mitte feiern. Weil die Fashion Week einen Kompromiss akzeptiert, kommen sich die Partys nicht mehr in die Quere.

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Jubelmeile. Die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule entwickelt sich zur begehrtesten Partyadresse Berlins. Dort wird immer öfter gefeiert wie hier zur Fußball WM 2010. Doch das bringt auch eine Menge Probleme.
Jubelmeile. Die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule entwickelt sich zur begehrtesten Partyadresse...Foto: ddp

Die Verhandlungen waren anfangs zäh. Alle wollten mit Pauken und Trompeten feiern, aber auf keinen Fall dabei auf den imageträchtigen Standort verzichten – auch nicht angesichts der Sicherheitsbedenken des Bezirks Mitte. Seit Montag sieht nun aber alles recht gut aus für die Veranstalter der drei Großveranstaltungen auf der Straße des 17. Juni, die sich in diesem Sommer teils zeitlich überschneiden. Der Christopher Street Day (CSD), die Fanmeile zur Fußball-Europameisterschaft und die Modemesse Fashion Week können im Juni und Juli ohne größere Einschränkungen zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule stattfinden. Erreicht wurde dies vor allem durch die Kompromissbereitschaft der Organisatoren der Fashion Week. Ihr Zelt wird diesmal in der Nähe der Siegessäule aufgebaut. 2011 stand es vorm Tor.

Auch den zwei Sportveranstaltungen auf der Straße des 17. Juni, die gleichfalls zur Disposition standen, stehe nun „nichts mehr im Wege,“ teilte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am Montag mit. Es handelt sich um das Radrennen Velothon am 10. Juni und den SCC-Lauftreff „Team Staffel“ vom 13. bis 15. Juni. In dieser Woche will Spallek nun für alle fünf Veranstaltungen noch eine „sicherheitsrelevante Feinplanung“ ausarbeiten. Noch vor wenigen Tagen hatte der Stadtrat Sicherheitsrisiken wie fehlende Flucht- und Rettungswege befürchtet, sollten alle Events nach den ursprünglichen Plänen ablaufen. Das größte Problem war der Bereich in der Nähe des Tores zwischen Ebertstraße und Yitzak-Rabin-Straße. Dort wollen die Teilnehmer des schwul-lesbischen CSD am 23. Juni nach ihrem Umzug traditionell feiern. Doch dieser Abschnitt der Straße des 17. Juni wird auch das Zentrum der Fanmeile mit Buden und Public Viewing vom 8. Juni bis 8. Juli sein. Und das große Zelt mit den Laufstegen der Fashion Week sollte dort gleichfalls aufgebaut werden. Die Modemesse beginnt zwar erst am 3. Juli, die vorbereitenden Arbeiten müssen aber schon etliche Tage früher beginnen.

Nach einigem Hin und Her haben sich der Bezirk und die Fashion Week-Veranstalter nun auf den neuen Standort des Modezeltes geeinigt. Leicht waren die Verhandlungen nicht, denn alle drei Großevents bringen viel Geld in die Stadt, folglich wollte auch der Senat Einschränkungen möglichst vermeiden. Durch den Umzug des Modezeltes kommen sich Christopher Street Day und Fashion Week nun nicht mehr ins Gehege, zumal die CSD-Parade 2012 vom Alexanderplatz über die Linden zum Tor zieht. 2011 begann das Spektakel dagegen in der West-City. Von dort ging es an der Siegessäule vorbei zum Brandenburger Tor.

Die Fanmeile macht CSD-Chef Robert Kastl kaum Sorgen. Man werde mit deren Veranstalter Willy Kausch logistisch zusammenarbeiten, beispielsweise bei der Aufstellung der Toilettenhäuschen. „Wir kommen uns nicht in die Quere, weil am CSD-Tag gar kein relevantes Fußballmatch stattfindet,“ sagt Kastl. Eventmanager Kausch, der auch die Silvesterparty am Tor organisiert, hatte schon vor einigen Tagen erklärt, man werde die Fanmeile nur öffnen, wenn die deutsche Elf spielt. Nach den ersten drei sicheren Begegnungen sind das nur noch einige Spiele mehr, falls das Team erfolgreich bleibt. An den Tagen dazwischen will Kausch die Imbissbuden an den Straßenrand räumen, „so dass dort andere feiern können oder wenigstens auf einer Straßenseite wieder der Verkehr rollt“. Zumindest im Juni wird die Allee zwischen Tor und Siegessäule allerdings nur an wenigen Tagen für Autos frei sein.

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