Stadtleben : Festival unter Schaufelrädern Musiker und Fans

zieht es zum „Melt“

Kolja Reichert

Im Netz wird schon fleißig geplant. „Wir bieten sowohl einen Grill, Dankbarkeit, gute Laune als auch ein Pavillonzelt als Sonnenschutz“, buhlt „Ultra grey“ um seine Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Ferropolis. Eine andere verspricht: „Wir sind zwei pflegeleichte Mädchen mit Präsidentinnen-Blasen und ohne Reiseübelkeit.“

Es ist Festival-Saison, und in Berlin werden die Zelte gepackt, die Aktivboxen und die Müsliriegel. Wer auf Dauerversorgung mit Live-Acts unter freiem Himmel steht, muss raus aus der Stadt. Das Berlin-Festival, das es voriges Jahr erlaubte, frisch geduscht und wohl frisiert zu Tocotronic und Peaches rumzustehen, fällt diesen Sommer flach. Das Techno-Kunst-Wunderland Fusion auf einem Mecklenburger Militärflugplatz ist bereits gelaufen. Bleibt das Melt-Festival am kommenden Wochenende im ehemaligen Braunkohleabbaugebiet „Ferropolis“ bei Dessau.

Es ist ja schon ein bisschen ein Berliner Festival. Nur eineinhalb Stunden dauert die Fahrt. Wer das Zelten zwischen Schlammpfützen und Bierflaschen nicht mag, kann immer noch am Sonntag zum Björk-Konzert fahren und danach heim ins Bett.

Im elften Jahr dauert das Festival erstmals drei Tage. Die offizielle Melt- Hymne vom Münchner House-DJ Lützenkirchen heißt denn auch „3 Tage wach“. Die Veranstalter, die Macher des Gratismusikmagazins „Intro“, haben mal wieder das Hippste gesammelt, was sie kriegen konnten. Neben großen Acts wie Róisín Murphy, Editors, Hot Chip, The Notwist und Adam Green spielen viele Indie-Geheimtipps wie The Whitest Boy Alive und Lieblinge der Clubkultur wie Hercules And Love Affair.

Das Einreißen der Grenzen zwischen elektronischer Musik und verzerrten Gitarren ist für das Melt Programm. So reisen aus Berlin vor allem Techno-Künstler an, allen voran Ellen Allien. Und mit Franz Ferdinand haben die Veranstalter jene Band gewonnen, die das Stampfende des Minimal Techno in den Rock überführt hat.

Mit Björk ist den Veranstaltern ein besonderer Coup gelungen. Fünf Jahre hat die isländische Wunderelfe nicht in Deutschland gespielt. Im Gepäck hat sie unter anderem eine zehnköpfige Frauenblaskapelle. Mit ihrer opulenten Bühnenshow wird Björk die Industrielandschaft von Ferropolis verzaubern. Das Gelände des alten Braunkohlebergwerks Gulpa Nord hat großen Anteil am guten Ruf des Festivals. Die stillgelegten Schaufelradbagger, die neben einem künstlichen See in den Himmel ragen, werden nachts von Licht- und Videokünstlern bespielt.

Noch eine Grenze wird eingerissen: die zwischen Tag und Nacht. Die Berliner Band Die Türen etwa spielt Samstag Nacht erst um zwei, rund um die Uhr legen DJs auf. Eins darf man vom Melt nicht erwarten: Schlaf. Kolja Reichert

Das Festival geht vom 18. bis 20. Juli, Infos unter www.melt-festival.de. Der Tagesspiegel verlost ein Mal 2 Karten. Einfach heute bis 13 Uhr eine Mail mit Betreff „Melt“ an verlosung@tagesspiegel.de schreiben. Bitte unbedingt eine Telefonnummer angeben.

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